Chronik | Österreich
30.11.2018

Das Ende eines Verkehrsnadelöhrs

An der B 320 im Ennstal stehen Umbauten an. Das soll Fahrten rascher und sicherer machen.

„Wenn man von einer Lösung für das Ennstal gesprochen hat, dann haben die einen eine Autobahn gemeint, aber die anderen 60 km/h“, erinnert sich Landesbaudirektor Andreas Tropper. Er fasst eine Diskussion zusammen, die schon fast 50 Jahre dauert: Die Ennstal Bundesstraße (B 320) ist jene oft überlastete Verbindung zwischen Tauern - und Pyhrnautobahn, an der sich schon gut ein Dutzend steirischer Verkehrspolitiker die Zähne ausgebissen hat.

SPÖ-Verkehrslandesrat Anton Lang hofft jetzt aber, einen Weg gefunden zu haben: Bis 2029 soll die Straße zwischen Liezen und Schladming in 14 Baumaßnahmen entlastet oder durch Überholspuren verbreitert werden. Der langsamere Verkehr wie Traktoren oder Mopeds soll von der B 320 auf neue Begleitwege verlagert werden. Dazu kommen neue Ein- und Ausfahrten, die gefährliche Abschnitte entschärfen sollen. Auch Bahnkreuzungen werden versetzt.

Insgesamt werden 19 Kilometer Straße neu errichtet, das kostet voraussichtlich 58 Millionen Euro. Größte Brocken sind mit 11,6 Millionen Euro der Ausbau der Kreuzung Trautenfels sowie die Anschlussstelle Wörschach-Ost mit 6,2 Millionen Euro. Die Bauarbeiten sollen kommendes Jahr beginnen und nach zehn Jahren abgeschlossen sein, je nach Fortschritt von wasserrechtlichen und naturschutzrechtlichen Verfahren sowie der Grundablösen.

18.000 Pkw täglich

Die Maßnahmen sollen Bewegung in eine seit 20 Jahren festgefahrene Situation bringen. Seit die vierspurige Ennsnahe Trasse in den 1990er Jahren wegen Naturschutzbedenken auf Eis gelegt wurde, gab es nur halbherzige Anläufe für eine verbesserte Kfz-Verbindung durch das Ennstal. Dabei gilt die B 320 als eine der unfallträchtigsten, aber auch staureichsten Straßen: Zwischen 2012 und 2018 habe der Verkehr um 30 Prozent zugenommen, berichtet der Liezener Bezirkshauptmann Josef Dick. Pro Wochentag fahren durchschnittlich 18.000 Pkw und 2000 Lkw auf der B 320 durch das Ennstal.

Ein wichtiger Teil fehlt aber noch in dem am Freitag präsentierten Paket  - Liezen. Sämtlicher Verkehr von und zur Anschlussstelle der A 9 führt durch die Bezirksstadt. Derzeit erstellen Experten dort eine Studie, um Verkehrsvarianten abzuwägen. Landesrat Lang legt sich aber schon fest. „Aus meiner Sicht ist eine Lösung nur möglich, wenn es eine Umfahrung gibt. Man wird die Gespräche in diese Richtung führen müssen.“

In der Stadt ist das umstritten: Dutzende Geschäfte entlang der Durchfahrtsstrecke wären von einer Verlagerung betroffen. Lang hofft auf eine Einigung noch 2019. Aufgrund der umfangreicheren rechtlichen Verfahren sei dann im besten Fall mit einem Baubeginn 2026 zu rechnen, die Fertigstellung sei 2029 möglich, überlegt Lang.