Chronik | Österreich
02.08.2018

Bursch nach Sex mit 15-Jähriger in Haft: US-Anwalt vermittelt

Seit fünf Tagen sitzt Oberösterreicher wegen „Belästigung“ im Gefängnis. Nächster Gerichtstermin am 14. September.

Oranger Gefängnisoverall, Fesseln an den Händen, am rechten Auge eine Verletzung. So wird ein junger Oberösterreicher einem Gericht im US-Bundesstaat Florida vorgeführt, abgetrennt hinter Gittern: Der 18-Jährige wurde am Montag verhaftet, weil er Sex mit einer 15-Jährigen gehabt haben soll.

Ihm gehe es „den Umständen entsprechend gut“, teilte das österreichische Außenministerium Donnerstagnachmittag mit. Die Botschaft in Washington habe einen Anwalt vermittelt, der sich um den Fall kümmere.

Der Sex mit der Internet-Bekanntschaft war einvernehmlich, wie das Mädchen selbst aussagte, aber das zählt für die US-Behörden nicht: Das Schutzalter für sexuelle Handlungen beträgt 16 Jahre. Die Teenie-Romanze gilt somit als strafbares Delikt „lascivious molestation“, also „Belästigung“, in Österreich am ehesten mit Unzucht vergleichbar.

Dem Jugendlichen drohen nun mehrere Jahre Haft in den USA. Für österreichische Verhältnisse ist der Fall unverständlich. Nicht nur wegen des Vorwurfs, der in Österreich in dieser Form nicht existiert. Hier ist einvernehmlicher Sex zwischen einer 15-Jährigen und einem 18-Jährigen legal.

Doch es gibt noch einen weiteren bedeutenden Unterschied: Im Gegensatz zur heimischen Praxis halten es US-Medien wie Behörden wenig von Datenschutz. Der 18-Jährige wird mit vollem Namen, Alter, Herkunft und Foto auf der Homepage des Sheriffs in Sarasota County veröffentlicht. US-Fernsehstationen zeigen ihn, wie er bei der Anhörung hinter einer vergitterten Absperrung sitzt. Diese Form der Berichterstattung wäre in Österreich kaum vorstellbar, das Medienrecht ist zu streng.

Außenamt und Familie des Jugendlichen bemühen sich, ihm zu helfen. Ein Weg wäre, die Kaution zu bezahlen. Doch die hat das Gericht auf 200.000 US-Dollar, umgerechnet 172.000 Euro, festgesetzt. Doch auch dann dürfte der 18-Jährige die Staaten nicht verlassen, er wäre nur bis zum Prozess frei. Der nächste Termin vor Gericht ist am 14. September.

Sie hat ihn eingeladen

Die Jugendlichen haben sich über Online-Chats einer Dating-App kennengelernt, zehn Monate lang sollen die beiden Nachrichten und Bilder ausgetauscht haben. Schließlich soll die 15-Jährige ihren Online-Freund eingeladen haben, nach Florida zu kommen. Er soll laut Gerardo Carillo aus dem Sheriffsbüro online eine Unterkunft gebucht haben, das Mädchen sei freiwillig zu ihm gegangen.

Allerdings ohne die Mutter zu informieren: Sie meldete ihre Tochter Montagfrüh als vermisst.