Nicht zugelassenes Silikon in Brustimplantaten der Firma PIP. Der Skandal nahm 2010 in Frankreich seinen Ausgang.

© APA/EPA FILE/UNBEKANNT

Medizin
06/12/2015

Brustimplantate: Pariser Gericht wies Klagen ab

In dem Skandal um fehlerhafte PIP-Implantate gibt es einen Rückschlag für die 69 Österreicherinnen.

In der gerichtlichen Aufarbeitung des Skandals um fehlerhafte Brustimplantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothese (PIP) hat es für betroffene Frauen aus Österreich einen Rückschlag durch eine in Paris ergangene Entscheidung gegeben. Ein Gericht hat Klagen der vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) vertretenen Österreicherinnen gegen den Versicherer Allianz abgewiesen.

VKI vertritt Interessen von 69 Frauen

Das Pariser Gericht schloss sich laut VKI einer im Jänner in einem Berufungsverfahren in Aix-en-Provence ergangenen Entscheidung an, wonach die Alliance France als Versicherer der PIP nur solche Frauen entschädigen müsse, deren Implantate in Frankreich eingesetzt wurden. Der VKI vertritt die Interessen von 69 Frauen, von der Entscheidung am Montag in Paris sind 32 betroffen.

"Alle 32 Klagen wurden abgewiesen. Das ist eine sehr bedauerliche Entscheidung, die wir auch inhaltlich kritisieren", sagte VKI-Expertin Ulrike Wolf am Freitag zur APA. Sie bemängelt, dass sich das Pariser Gericht überhaupt nicht mit den europarechtlichen Bestimmungen auseinandergesetzt und es sich auch insofern leicht gemacht habe, als es sich der Rechtsmeinung der Richter in Aix einfach angeschlossen habe. "In dem Verfahren in Aix waren die Österreicherinnen nicht Partei. Aus diesem Grund konnten unsere europarechtlichen Argumente nicht vorgebracht werden", erklärte Wolf. "Die Bindungswirkung ist sehr problematisch, de facto wird den Frauen so das Recht auf Gehör entzogen." Auch ein Gutachten im Auftrag des VKI sei völlig außer Acht gelassen worden.

"Wir werden in Berufung gehen müssen", sagte die Expertin. Sie sprach im Fall der Abweisung der 32 Klagen von einer Signalwirkung. Im Fall der 37 weiteren Frauen ist die erste Verhandlung im Herbst in Paris vorgesehen.

Medizinisch nicht zugelassenes Silikon

Der PIP-Skandal um medizinisch nicht zugelassenes Silikon hatte 2010 in Frankreich seinen Ausgang genommen. Betroffen sind tausende Frauen. Unternehmensgründer Jean-Claude Mas wurde 2013 in Marseille wegen Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt. Als Kontrolleur von PIP sind der TÜV Deutschland und der TÜV France zu Schadensersatzzahlungen verurteilt worden, der TÜV hat gegen die Entscheidung aber Berufung eingelegt, da er sich selbst als Opfer sieht. Die Frauen aus Österreich werden vom VKI sowohl im Verfahren gegen den TÜV als auch im Strafverfahren gegen Mas vertreten, der ebenfalls gegen seine Verurteilung berufen hat.

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