Chronik | Österreich
08.06.2018

Bienensterben durch Spritzmittel: Obstbauer vor Gericht

47-Jähriger wies alle Schuld von sich, der Prozess am Landesgericht Klagenfurt wurde vertagt

Wegen vorsätzlicher Beeinträchtigung der Umwelt hat sich am Freitag ein 47-jähriger Obstbaumeister vor dem Landesgericht Klagenfurt verantworten müssen. Dem Mann wird vorgeworfen, sich beim Spritzen von Obstbäumen nicht an die Vorschriften gehalten zu haben, Tausende Bienen von Dutzenden Völkern in der Umgebung sollen deswegen verendet sein.

Begonnen hatte das Bienensterben bei zwei Imkern am 1. Mai 2017, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Just an diesem Tag hatte der Obstbaumeister seine Bäume im Lavanttal gespritzt. Mit welchen Mitteln, das trug der Angeklagte, der ohne Verteidiger zur Verhandlung gekommen war, wortreich vor. So habe er Zwetschken- und Kirschenbäume, die abgeblüht gewesen seien, mit dem für Bienen gefährlichen Dursban 480 behandelt – allerdings früh am Tag und bei einer Temperatur, bei der noch keine Bienen unterwegs gewesen seien. Später am Tag wurden dann die teilweise noch blühenden Äpfel- und Birnenkulturen gespritzt, allerdings mit Mitteln, die für Bienen nicht gefährlich seien. Der 47-Jährige bekannte sich nicht schuldig.

Wie dramatisch das Bienensterben gewesen sei, erzählten die beiden betroffenen Imker: Die Insekten seien aggressiv gewesen, die Wächterbienen hätten Flugbienen nicht mehr in die Stöcke gelassen. „Am nächsten Tag war dann alles schwarz vor lauter toter Bienen. Bei ihnen waren die Rüssel aufgefächert und ihre Körper verkrümmt, also eindeutig Anzeichen für eine Vergiftung.“ Tagelang habe das Sterben gedauert, sagte eine betroffene Imkerin mit 52 Bienenstöcken. Sie fordert 20.800 Euro von dem Angeklagten, ihr Kollege 16.800 Euro.

Das Gericht vertagte die Verhandlung. Sie soll im Juli mit Zeugenaussagen und der Erörterung eines Gutachtens fortgesetzt werden.