Animal Hoarding: Mann hielt über 80 Tiere daheim

Animal Hoarding: Mann hielt über 80 Tiere daheim
Zwei Hunde, neun Katzen, drei Schildkröten, 40 Mäuse und 30 Vögel in Haus entdeckt.

Im Bezirk Villach-Land ist ein Fall von Tierhortung - "Animal Hoarding" - aufgeflogen. Ein Mann hielt laut einer Auskunft des Tierschutzvereins Villach zwei Hunde, neun Katzen, drei Schildkröten, rund 40 Mäuse und etwa 30 Vögel unter katastrophalen hygienischen Verhältnissen in seinem Haus. Um das Gebäude gab es viele weitere, verwilderte Katzen. Ein Gerichtsvollzieher brachte den Fall ins Rollen.

Der Amtstierarzt wurde eingeschaltet. Dieser hat nun die Tiere beschlagnahmt. Sie wurden ins Villacher Tierheim gebracht.

Bereits im vergangenen Jahr wies der Österreichische Tierschutzverein anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober auf Animal Hoarding hin. Es komme immer öfter vor, dass Menschen zu viele Tiere besitzen und mit deren Pflege überfordert sind.

Einsamkeit als Ausgangspunkt

"Tiersammler" seien meist ältere, nicht berufstätige Frauen. "Einsamkeit und eine Wohnsituation in abgeschiedener Lage sind bei den meisten Betroffenen der Ausgangspunkt", sagte Susanne Hemetsberger, Geschäftsführerin des Österreichischen Tierschutzvereins. Es beginne mit großer Tierliebe und der Rettung von Vierbeinern in Not, deren Versorgung den "Tierhortern" aber bald über den Kopf wachse. "Die Tiere vermehren sich mangels Kastration ungewollt und so setzt sich ein Teufelskreis in Bewegung."

Wie beim "Messie-Syndrom" würden Betroffene häufig Hilfe ablehnen. " Animal Hoarder haben wenige Bezugspersonen und diese werden meist vergrault, sobald sie Kritik an den Zuständen äußern", sagte Hemetsberger. "Oft werden Behörden auf die Tiersammler erst aufmerksam, wenn die Lage schon extrem kritisch ist." Das sei der Fall, sobald die übermäßige Tierhaltung bereits negative Auswirkungen auf die Lebensumstände des Besitzers hat, dieser das jedoch ignoriert. Grundsätzlich könne von Animal Hoarding gesprochen werden, sobald "jemand eine große Anzahl an Tieren hält, aber offensichtlich nicht in der Lage ist, für deren Wohlbefinden und Gesundheit zu sorgen".

Die vier Katzen im Tierschutzhaus Vösendorf zittern vor Angst und verstecken sich, sobald sich ihnen ein Mensch nähert. Dass sie traumatisiert sind, ist nicht zu übersehen. Individuelle Zuwendung dürften sie nie erfahren haben – denn ihre bisherige Besitzerin war eine zwanghafte Tier-Sammlerin. „Animal-Hoarding“ ist der Fachbegriff für das Problem, das oft erst im Fall von Delogierungen aufgedeckt wird.

548 Tiere in drei Jahren

Die Frau ist kein Einzelfall. Von 2011 bis 2013 waren allein in Wien 548 Tiere von 130 Delogierungen betroffen. 186 Hunde, 171 Katzen und 191 Kleintiere – vom Hamster bis zur Vogelspinne. Der Wiener Tierschutzverein (TSV) hat für die meisten davon neue Besitzer gefunden.

„Animal-Hoarder sind oft Leute, die mit ihrem eigenen Leben nicht zurechtkommen“, erklärt TSV-Präsidentin Madeleine Petrovic. „Sie sind mit der Haltung der Tiere überfordert. Meist mangelt es an Nahrung, Hygiene oder tierärztlicher Versorgung.“

Eine getigerte Katze lauert auf einer Mauer hinter einem Eimer und einem Zaun.
Wenn der Amtstierarzt die Abnahme der Tiere verfügt oder Animal-Hoarder in finanzielle Schwierigkeiten schlittern und delogiert werden, kommen die Tiere normalerweise ins Tierschutzhaus. Das bedeutet, die Stadt Wien muss die Unterbringung finanzieren und versuchen, die Kosten vom Ex-Besitzer rückerstattet zu bekommen. „Dass die Kommune dabei oft auf Kosten sitzen bleibt, ist klar. Ein Problem ist auch, dass bei Animal-Hoardern zu 99,9 Prozent Wiederholungsgefahr besteht“, sagt Wiens Tierschutz-Ombudsmann Hermann Gsandtner.

Im Tierschutzhaus werden die Tiere wieder aufgepäppelt. „Wegen der schlechten Haltung sind sie oft krank, ungepflegt oder unterernährt“, berichtet Petrovic. Aber nicht nur das mache sie besonders Pflege-intensiv. „Gerade Katzen sind auch Antennen für menschliche Gefühle. Und da Delogierungen persönliche Dramen, wie zum Beispiel heftige Streitereien, vorausgehen, haben diese Tiere oft das Vertrauen zum Menschen verloren.“

Unvermittelbar seien sie aber nicht. „Sie sind bloß am Anfang extrem scheu. Wenn solche Katzen dann aber auftauen, sind sie auf den neuen Besitzer geradezu fixiert.“

Dass sich nicht jeder von Delogierung betroffene über die neue Chance für seine Tiere freut, zeigt ein skurriler Rechtsstreit, mit dem sich der TSV aktuell konfrontiert sieht: Eine Frau, die bereits mehrfach delogiert wurde und jedes Mal mit etwa 20 Katzen auf der Straße stand, hat den Verein nun (mit Verfahrenshilfe) auf Wiederherausgabe der Tiere geklagt. Und in erster Instanz sogar recht bekommen.

Es gab nämlich keinen schriftlichen Vertrag, der die Eigentumsverhältnisse eindeutig geklärt hätte. Der TSV legte gegen die Entscheidung bereits Berufung ein.

„Als die Frau das letzte Mal ihre Wohnung verlor, haben wir 15 Katzen bei uns untergebracht. Die ärztlichen Eingriffe, die wegen vereiterter Kiefer nötig waren, die Pflege, das Futter und die Unterbringung haben (bei 8 Euro Pensionskosten pro Tag; Anm.) bis dato 40.000 Euro gekostet“, schildert Petrovic – die nicht daran denkt, die Tiere zurückzugeben, sondern stattdessen neue Besitzer sucht. Für 11 der 15 Katzen wurden bereits welche gefunden. Bloß die vier eingangs erwähnten Stubentiger konnten noch nicht vermittelt werden.

„Falls wir den Rechtsstreit in letzter Instanz verlieren sollten, müssten wir der Frau halt elf Katzen ersetzen“, sagt Petrovic. „Aber das würd’ uns nicht umbringen.“

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