Er soll Patienten von Herzschrittmachern abgeraten haben. Die Ärztekammer hat genug.

© Atzenhofer Wolfgang

Chronik Österreich
04/20/2019

Ärztekammer klagt "Guru", der Ärzte mit NS-Verbrechern verglichen haben soll

Die Ärztekammer Steiermark wehrt sich gegen den bekannten Pharma-Gegner und selbsternannten "Gesundheits-Guru".

Die Ärztekammer Steiermark geht mit einer Unterlassungsklage gegen einen selbst ernannten Gesundheits-Guru mit violetten Haaren und Rauschebart vor. Die Staatsanwaltschaft Graz ermittelt seit mehr als einem Jahr gegen den bekannten Pharma-Gegner wegen Kurpfuscherei. Nun will die Kammer über den Zivilrechtsweg unterbinden, dass der Mann Menschen vor lebenswichtigen Therapien abrät.

"Es geht um das Leben von Menschen"

Die Ärztekammer hatte vor mehr als einem Jahr bei der Staatsanwaltschaft Graz eine Anzeige eingebracht. Seither wird gegen den gebürtigen Rumänen und gelernten Automechaniker ermittelt. Auch die österreichische Apothekerkammer und die Bezirkshauptmannschaft Bregenz haben ihn laut Medienberichten angezeigt. Nun hat die Ärztekammer noch eines draufgesetzt und warnt: "Es geht um das Leben von Menschen."

Ärzte mit NS-Verbrecher verglichen

Der Verdächtige soll ein internationales Verkaufsnetzwerk für Nahrungsergänzungsmittel unklarer Herkunft hochgezogen haben. Die Kammer wirft ihm vor, dass er seinen Kunden und Anhängern von Herzschrittmachern abraten, Ärzte mit einem NS-Verbrecher vergleichen und sie des Verkaufs von Drogen bezichtigen würde. "Jeder Krämer lobt seine Ware", kommentierte der steirische Ärztekammerpräsident Herwig Lindner am Samstag in einer Aussendung die Videos und Vorträge, in denen der Mann seine Mittel anpreist. "Gefährlich und menschenverachtend" werde sein Verhalten aber, "wenn dieser von Herzschrittmachern abrät oder Ärztinnen und Ärzte in die Nähe von Naziverbrechern rücke", warnte Lindner.

Deswegen habe die Ärztekammer Steiermark die Unterlassungsklage eingebracht: "Wenn Menschen davon abgehalten werden sollen, lebenswichtige Therapien in Anspruch zu nehmen, ist Gefahr in Verzug und kann es daher keine Toleranz geben", so Lindner.

Der Verdächtige ist in der Szene der Nahrungsmittelergänzungsmittel eine schillernde Figur. In seinen Videos tritt er barfüßig sowie in eigenwilliger Kleidung auf und zieht über die Pharmaindustrie und die Schulmedizin her. Während seine Vorträge und Videos kostenlos angeschaut werden können, sind seine Vitaminpräparate zu bezahlen. Damit hat er offenbar ein beträchtliches Geschäft gemacht, wissen Szenekenner. Doch über die Herkunft seiner Mittel kamen Gerüchte auf, er würde diese billig in China einkaufen.