Ein seltenes Naturschauspiel: Tausende Wespenbussarde nutzen die Thermik des Dobratsch bei Villach für ihre lange Reise

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kärnten
08/28/2015

6000 Vögel folgen ihrem genetischen Trieb

von Thomas Martinz

Beobachtung. Es ist ein Naturschauspiel, ein Spektakel der besonderen Art: Mehr als 6000 Greifvögel schweben dieser Tage über dem Dobratsch in Kärnten. Hunderte Ornithologen beobachten die seltenen Tiere, die jährlich pünktlich ihrem genetischen Trieb folgen und die Thermik des Villacher Hausbergs nutzen, um ins Winterquartier in Richtung Süden zu fliegen.

Zu 95 Prozent sind es Wespenbussarde, die im Gailtal in einer Höhe zwischen 500 und 2000 Metern kreisen. Mäusebussarde, Sperber, Turmfalken, Fischadler, Zwergadler, Schlangenadler und Gänsegeier gesellen sich zu ihnen. 2014 wurde ein Kaiseradler gesichtet. Die Vögel folgen einer inneren Uhr, entscheiden sich stets in den letzten beiden Augustwochen, den Süden anzusteuern. Egal ob der Sommer heiß oder nass war.

Warum sie ausgerechnet diese Flugroute wählen, erklärt Andreas Kleewein, Geschäftsführer von BirdLife Kärnten, der das Vogelcamp samt Aussichtsplattform in Oberstossau bei Arnoldstein organisiert. "Der Dobratsch bietet eine einzigartige Thermik. Die Greifvögel erreichen dort die erforderlichen Höhen, um weiter nach Süden ins Kanaltal zu gleiten." Hunderte Kilometer können diese Tiere pro Tag zurücklegen, ehe sie in Zentralafrika ihren Hort für die Wintermonate erreichen.

Wie lange die Vögel bereits die Thermik des Dobratsch nutzen, ist nicht geklärt. "Vor zehn Jahren wurde diese Tatsache bekannt, wissenschaftliche Untersuchungen gibt es erst seit 2007", betont Kleewein.

Die Zahl der Tiere, die Kärnten als Durchzugsgebiet ins Winterquartier wählen, wird exakt erfasst. Der Standort in Oberstossau bietet den idealen Beobachtungspunkt, wodurch die Vögel früh gesichtet und bis zu ihrem Überflug über die Tarviser Pforte beobachtet werden können. Es gibt viele skurrile Ferialjobs, aber Greifvogelzähler? David Nayer hat tatsächlich diese Arbeit gewählt. Zwei Wochen lang registriert der Steirer von 9 bis 17 Uhr jeden einzelnen Vogel. "Die Arbeit macht Spaß", sagt er, während er wie rund 300 andere Vogelfreunde mit dem Fernrohr in den Himmel starrt. "Der letzte Samstag war der Rekordtag, da habe ich 1182 Greifvögel gezählt. Trupps mit bis zu 100 Wespenbussarden sind keine Seltenheit." Und letztlich sind sie der Lohn der Ornithologen fürs stundenlange Ausharren am Beobachtungsposten.

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