© APA/dpa/Nicolas Armer

Chronik | Österreich
06/17/2019

Vergewaltigung in Salzburg: Freispruch im Zweifel

Angeklagter soll Skilehrerin K.o.-Tropfen ins Getränk gemischt haben - Freispruch, aber Haft wegen Drogenmissbrauchs.

Ein 20-Jähriger ist am Montag wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung und des unerlaubten Umgangs mit Suchtgiften in Salzburg vor Gericht gestanden. Er soll laut Anklage in der Nacht auf den 24 . März in einem Lokal im Bezirk Zell am See K.o.-Tropfen in das Getränk einer Skilehrerin gemischt und die willenlose Frau zur Duldung des Beischlafs genötigt haben.

Der Kosovare, der sich in Untersuchungshaft befindet, bestritt den Vorwurf der Vergewaltigung. Der Sexualverkehr mit der Frau aus Hongkong sei einvernehmlich gewesen, beteuerte er. Er habe sie weder dazu gezwungen noch habe er irgendwelche bewusstseinsbeeinträchtigende Substanzen in ihr Getränk gegeben.

Kokain im Auto

Die Skilehrerin sei wie er selbst alkoholisiert gewesen. In der Bar habe sie Gäste und auch ihn nach Drogen gefragt. "Sie hat verstärkt meine Nähe gesucht. Wir haben dann zu schmusen begonnen."

Wenig später seien sie zu einem nahegelegenen Parkplatz gefahren, hätten dort im Wagen Kokain konsumiert, und nach "heftigem Sex", an dem die Frau aktiv mitgewirkt habe, "nahmen wir noch einmal Koks", schilderte der Angeklagte. Sie habe ihm auch erzählt, dass sie einen Freund habe.

Anzeige am nächsten Tag

Danach habe er sie wieder zu dem Lokal gefahren. Nach neuerlichem Küssen hätten sie sich getrennt, sagte der Beschuldigte. Zu dem Drogendelikt zeigte er sich geständig.

Das mutmaßliche Opfer erstattete am nächsten Tag Anzeige bei der Polizei. Die Frau sagte aus, dass sie sich an den Geschlechtsverkehr nicht erinnern könne, eine Freundin habe ihr davon erzählt. Im Krankenhaus wurde eine leichte Verletzung im Intimbereich festgestellt.

Opfer kam nicht zum Prozess

Die gebürtige Australierin ist heute nicht zum Prozess am Landesgericht Salzburg gekommen. Die vorsitzende Richterin des Schöffensenats, Nicole Haberacker, erläuterte, dass die Frau einer kontradiktorischen Einvernahme nicht zugestimmt und in einem Schreiben an das Gericht erklärt habe, sie sei von dem Vorfall traumatisiert worden und wolle damit nichts mehr zu tun haben.

Die Anklage sei "völlig haltlos", sie beruhe nur auf Vermutungen, sagte Verteidiger Hans Peter Bauer. "Es ist auch mehr als ungewöhnlich, dass die Staatsanwaltschaft keine Zeugen angeführt hat." Ob heute ein Urteil gesprochen wird, war vorerst unklar.

Fünf Monate unbedingt

Der 20-Jährige wurde Montagnachmittag vom Vorwurf der Vergewaltigung im Zweifel freigesprochen. Wegen unerlaubten Umgangs mit Drogen, den er heute auch zugegeben hatte, wurde er allerdings zu 15 Monaten Haft verurteilt, davon fünf Monate unbedingt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.