Das Tempo der Radler in Fußgängerzonen ist meist zu hoch

© KURIER/Elmar Gubisch

Steiermark
06/15/2016

17 km/h sind zu schnell für die Fuzo

Tempoanzeige soll Radler in Grazer Fußgängerzonen auf die erlaubten fünf Stundenkilometer einbremsen.

von Elisabeth Holzer

"Da gilt ein 30er!", ruft der Radler und grinst die Polizistinnen an, die ihre Rad-Uniformen tragen und ihn stoppen: Die meisten der Grazer Fußgängerzonen dürfen auch von Radfahrern benützt werden, allerdings nur in Schrittgeschwindigkeit. Weil sich aber nur wenige daran halten, starten Stadt, Polizei und Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) eine entsprechende Kampagne.

Zwei Monate lang wird eine für Radler adaptierte mobile Tempoanzeige an verschiedenen Standorten platziert. Den Anfang machte gestern die Schmiedgasse mitten in der Innenstadt: Sie ist eine der Hauptrouten für Fußgänger wie Radler gleichermaßen. Wie viele hier täglich fahren, ist nicht bekannt. Aber es werden wohl ähnlich viele wie an einem anderen neuralgischen Punkt sein: In der Wickenburggasse sind bis zu 9000 Radfahrer täglich unterwegs.

Schritttempo

"In Fußgängerzonen haben wir ein großes Konfliktpotenzial", sagt Peter Felber vom KfV. "Deshalb ist es wichtig, dass sich die Radler an die Tempolimits halten." Fünf km/h, höchstens sechs, das ist Schrittgeschwindigkeit. Messungen aus dem Vorjahr ergaben allerdings ein ganz anderes Tempo: Die Radfahrer hatten durchschnittlich 17 km/h drauf.

Solche Geschwindigkeiten können gefährlich sein, für Fußgänger wie auch für andere Radfahrer. "Der Anhalteweg beträgt da sechs Meter", rechnet Felber vor. "Vor allem in einer Fußgängerzone ist das nicht so ohne, wo die Menschen dann doch kreuz und quer gehen." Erstaunlich, wie wenig Unfälle in den Fußgängerzonen dann tatsächlich passieren oder gemeldet werden: In den vergangenen fünf Jahren waren es laut Kuratorium bloß 29. Angesichts der 523 Verkehrsunfälle mit Fahrradbeteiligung insgesamt allein im Vorjahr keine schlechte Bilanz.

"Aber wir wollen ja auch nicht, dass es in den Fußgängerzonen mehr wird", betont Felber. Verkehrsstadtrat Mario Eustacchio, FPÖ, erinnert daran, dass "es eigentlich ein Entgegenkommen ist, dass Radfahrer in der Fußgängerzone sein dürfen. Sie sind hier nur Gäste."

20 Euro Strafe

14 Fahrrad-Polizisten sind in Graz im Dienst. Mit Laserpistolen messen sie zuweilen auch die Geschwindigkeit der Radler. "Uns geht es mehr um Bewusstseinsbildung, Strafen sind das letzte Mittel", betont Stadtpolizeikommandant Kurt Kemeter. Aber Strafen werden auch verhängt: Ein Verstoß gegen die Schrittgeschwindigkeit in der Fuzo gilt als Verwaltungsübertretung und kostet 20 Euro.

Die Tempoanzeige direkt vor der Polizeiinspektion weckt Neugierde. Christian etwa hält interessiert an und beobachtet die übrigen Verkehrsteilnehmer. Die meisten haben zwischen acht und zehn Stundenkilometer drauf, als sie an ihm vorbeifahren. "Ich selbst fahre sowieso immer vorsichtig, Sicherheit ist das oberste Gebot." Er halte sich immer an die Schrittgeschwindigkeit.

Viele Radler lassen sich offenbar schon von der Anzeigetafel allein einbremsen. Verkehrsexperte Felber erinnert sich an einen Versuch vor einigen Jahren: Ohne Tempoanzeige waren die Radler mit rund 20 km/h unterwegs, mit der Anzeige sank das Tempo um gut zwei Stundenkilometer.

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