© Bundesministerium für Finanzen

Chronik Österreich
11/07/2019

120 statt 10 Gäste: Finanzpolizei hebt illegales Araber-Hotel aus

Der angeblich beschauliche Hof bot 30 Betten an und verfügte über eine Großküche, eine Gatterzucht für Rotwild und einen Schlachthof.

von Markus Strohmayer

Ein anonymer Hinweis löste Ende August eine Razzia von Finanzpolizei und Finanzamt auf einem Bauernhof im Salzburger Pongau aus. Laut einer bekannten Online-Vermittlungsplattform waren auf dem Hof einige Betten für Gäste verfügbar. Vor Ort fanden die Beamten dann aber einen illegalen Tourismusgroßbetrieb.

Der Betrieb umfasste die illegale Vermietung von acht Zimmern und Appartements mit insgesamt 30 Betten und einen Gastronomiebetrieb ohne Bewilligung samt Großküche, die sich über mehrere Räume erstreckte.

Hinzu kam eine Gaststube mit 25 Sitzplätzen. Im Freien gab es weitere 40 Sitzplätze und zahlreiche Lagerplätze auf der Wiese. Außerdem war an den illegalen Betrieb eine Gatterzucht für 220 Stück Rotwild inklusive Schlachthof angeschlossen.

Beliebt bei arabischstämmigen Gästen

Zielgruppe des Betriebs waren offenbar vorwiegend arabischstämmige Gäste, die den Bauernhof mit Autos und Kleinbussen besuchten. Sowohl im Internet als auch am Bauernhof wurde mit Speisekarten in arabischer Sprache geworben.

Anhand der Gästebewertungen im Internet konnten die Kontrolleure feststellen, dass der illegale Betrieb seit rund drei Jahren durchgehend betrieben wurde.

Der Bauernhof wurde von einem amtsbekannten Ehepaar betrieben, es handelt sich um österreichische Staatsbürger. Der 50-jährige Betriebsführer, seine 46-jährige Gattin sowie vier Beschäftigte waren beim Eintreffen der Finanzpolizei gerade mit Kochen, Servieren und Abkassieren beschäftigt.

Bei den Mitarbeitern handelte es sich zum Teil um illegal beschäftigte Kräfte. Einer der Kellner flüchtete aus diesem Grund in den nahegelegenen Wald, als sich die Beamten näherten.

Eine Tonne Reis beschlagnahmt

Die Beamten stießen rund um den Bauernhof auf rund 120 arabischstämmige Gäste, die gerade frisch gegrillte Schafe, Fisch, Reis und Wildtiere verzehrten. Die Gäste nutzten das schöne Wetter, um ihre Mahlzeiten im Freien an den Heurigentischen sowie auf den Lagerplätzen auf der Wiese sitzend einzunehmen. Dafür wurden von den Betreibern auch Decken zur Verfügung gestellt.

Zur Verköstigung der Gäste sollen im Hochbetrieb circa 30 Tiere pro Woche geschlachtet und verarbeitet worden sein. Weitere Lebensmittel in Großmengen, darunter mehr als eine Tonne arabischer Reis, wurden beschlagnahmt.

Hohe Strafen drohen

Aus ermittlungstaktischen Gründen wurde der Fall zunächst nicht veröffentlicht. Die Ermittlungen sind nach wie vor am Laufen. Das Ehepaar muss sich nun für zahlreiche Delikte verantworten. Darunter etwa die illegale gewerbliche Vermietung von Zimmern sowie steuerliche, abgabenrechtliche und fremdenrechtliche Vergehen.

Die Finanzpolizei verständigte die Salzburger Gebietskrankenkasse, das AMS, die Bezirkshauptmannschaft, die Fremdenpolizei und die Salzburger Lebensmittelbehörde.

Die Betreiber, die sich bei der Kontrolle äußerst unkooperativ verhielten, müssen sich nun angesichts der Dimension und langen Dauer des illegalen Geschäfts auf hohe Nachforderungen sowie Geldstrafen in der Höhe von mehreren Hunderttausend Euro einstellen.