Chronik | Oberösterreich
18.11.2018

„Wir verfügen über 19 Millionen Objekte“

Thomas Stelzer. Die Sammlungen des Landesmuseums umfassen 19 Mio. Objekte. Sie werden 2019 auf 10.000 Quadratmetern in der Spinnerei der Linz Textil gelagert.

Das Land Oberösterreich ordnet seine Kulturdepots neu und versucht, damit gleichzeitig Kosten zu sparen. Die Ausstellungsräume des Schlosses Kremsegg bei Kremsmünster werden geschlossen. Die Musikinstrumentensammlungen wandern nach Linz. Ein Gespräch mit Landeshauptmann Thomas Stelzer, der sowohl für die Finanzen, als auch für die Kultur zuständig ist.

KURIER: Schloss Kremsegg bei Kremsmünster wird aus Kostengründen zugesperrt. Jährlich 470.000 € Förderung aus dem Kulturbudget des Landes bei stagnierenden 1000 Besuchern sei zu viel, wurde im Juni argumentiert. Gibt es noch andere Gründe für die Schließung?

Thomas Stelzer: Nein, es gibt keine anderen Gründe. Für den Verein wurde es zusehends schwieriger, den Betrieb des Musikinstrumentenmuseums zu führen. Der inhaltliche Zuschnitt des Museums macht es generell schwierig, über das interessierte Fachpublikum hinaus Besucher/innen anzusprechen. Mit rund 1000 Besucher/innen pro Jahr blieben die Zahlen jedoch trotz intensiven Bemühens weit hinter den Erwartungen. Ohne eines Förderzuschusses aus dem Kulturbudget des Landes OÖ in der Höhe von 470.000 Euro jährlich wäre der Fortbestand des Museums nicht mehr zu sichern gewesen.

Wann gehen in Kremsegg tatsächlich die Lichter aus?

Vor kurzem hat die wissenschaftliche Befundung der Objekte durch die Expert/innen des Vereins Musica Kremsmünster gemeinsam mit Wissenschaftlern des Landesmuseums begonnen. Daran geknüpft ist eine fachliche Feststellung über Eigentumsverhältnisse. Dort, wo es sich um Leihgaben handelt, muss für die weitere Präsentation die Zustimmung der Leihgeber eingeholt werden. 2019 sollen die Sammlungen transferiert werden.

Die Musikinstrumentensammlung beinhaltet die weltgrößte Sammlung an Blechblasinstrumenten, die aus den USA nach Europa zurückgeholt wurde, sowie Tasteninstrumente aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die 1200 Exponate sollen in der Landesgalerie einquartiert werden. Dort ist nur begrenzt Platz. Wie kann dieser Schatz weiterhin öffentlich zur Verfügung stehen?

Die Präsentation der Sammlung der Blechblasinstrumente (SammlungStreitwieser“) wird in der Landesgalerie erfolgen. Das Francisco Carolinum soll künftig neben der Bildenden Kunst auch einen musischen Schwerpunkt haben. Dies geschieht nicht nur über Ausstellungen und Präsentationen, sondern auch über Forschungskooperationen mit den Linzer Universitäten.

Vier von fünf Depots sollen von der Landesgalerie in die ehemalige Spinnerei der Linz Textil AG in der Wiener Straße gebracht werden. Wie aufwendig werden die Vorbereitungen, damit gute klimatische Bedingungen für die Lagerung von Kunstgegenständen gewährleistet ist?

Mit der Übernahme der Halle haben die Vorarbeiten für den Einbau jener Logistiksysteme (primär vor allem die Belüftung), die ein modernes Depot heute braucht, begonnen. Da für den Umbau auch behördliche Bewilligungen abzuwarten sind, werden diese Adaptierungsmaßnahmen einige Wochen beziehungsweise Monate in Anspruch nehmen. Mit der Übersiedelung geht auch eine zeitintensive konservatorische und inventartechnische Überprüfung der Objekte einher. Der Start der Übersiedlung der ersten Objekte wird im Frühsommer beziehungsweise Mitte 2019 erfolgen.

Die Stadt Linz richtet nächstes Jahr für ihre Museen ein 2000 Quadratmeter großes Depot in der Tabakfabrik ein. Wäre das nicht eine gute Gelegenheit gewesen, um den Ankündigungen für mehr Zusammenarbeit von Stadt und Land in der Kultur Taten folgen zu lassen?

Die künftige „Schatzkammer“ des Landesmuseums in der Halle der Linz Textil AG umfasst eine Grundfläche von rund 5000 Quadratmeter. Nach Einbau der Regale wird eine Sammlungsfläche von etwas mehr als 10.000 Quadratmeter groß sein. Das Landesmuseum als zweitgrößtes Universalmuseum Österreichs verfügt über fast 19 Millionen Objekte. Allein aus diesen Kennzahlen wird deutlich, warum hier für das Landesmuseum nach einer eigenen Lösung gesucht werden musste.

Auch Büros sollen weichen. Wohin werden sie verlegt?

Ziel ist es, bei den Adaptierungsarbeiten im Francisco Carolinum (Landesmuseum) Rundgänge zu ermöglichen. Dies entspricht der ursprünglichen Intention der Erbauer in der Zeit des Klassizismus. Die Büro- und Verwaltungsräume wurden erst nachträglich eingebaut. Im Rahmen der derzeit laufenden Organisationsreform ist geplant, dass man zum Beispiel das Facility Management zentral für das Landesmuseum, das Kulturquartier und die Landesausstellungen in gemeinsame Büroräumlichkeiten gibt.

Was passiert mit dem Archiv von Noten, Bildern und Tonträgern und der Bibliothek mit mehr als 1200 Bänden, das ebenfalls im Schloss lagern?

Diese werden im Francisco Carolinum zusammen mit den Beständen aus dem Archiv des OÖ. Volksliedwerks, aus der Musiksammlung des Landes und der schon existierenden Museumsbibliothek zugänglich und damit beforschbar gemacht.

2 slides, created on 16/Nov/2018 - 10:16:29

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Landesgalerie Linz

Die Instrumente werden in der Landesgalerie Linz ausgestellt

Schloss Kremsegg

Das Schloss Kremsegg bei Kremsmünster wird geschlossen

Was passiert mit Schloss Kremsegg nach der Schließung?

Dazu laufen noch Gespräche.

Das Kulturquartier soll für Ausstellungen des Landesmuseums geöffnet werden. Wie sehen die konkreten Pläne dafür aus?

Im Sinne des neuen Museumskonzeptes soll das Profil der einzelnen Häuser geschärft werden. Das Kulturquartier mit seiner standortgünstigen Lage im Stadtzentrum hat ein großes Potenzial im Bereich der Kunstvermittlung, der zeitgenössischen Kunst und der experimentellen Kunst. Dieses Potenzial soll künftig verstärkt genutzt werden. Das neue Museumskonzept ist noch nicht abgeschlossen, sondern wird aktuell mit externen Experten diskutiert.

Teile des Biologiezentrums sollen ins Schlossmuseum wandern. Bisher waren das Schlossmuseum, die Landesgalerie und das Biologiezentrum inhaltlich auf die Schwerpunkte oberösterreichische Geschichte, moderne und zeitgenössische Kunst und Wissen sowie Vermittlung zum Themenfeld Natur ausgerichtet. Wie sehr wird dieses Konzept aufgebrochen?

Es wird nichts aufgebrochen, im Gegenteil, das Profil der einzelnen Häuser soll geschärft werden. Das Schlossmuseum als zentraler Museumsstandort für Kultur-, Sozial-, Wirtschafts-, Technik und Naturgeschichte soll sich in Richtung eines „Erlebnisbergs“ entwickeln.