Silke Kranz ist Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell

© Pia Paulinec

Chronik Oberösterreich
03/31/2019

Wenn gesundes Essen das Leben massiv einengt

Orthorexie: Wenn bewusstes Essen zum Extrem und damit zum Problem und zur Essstörung wird.

Die Betroffenen ernähren sich also (beinahe) zwanghaft gesund. Das Essen und auch die Wahl, Herkunft und Zubereitung der Nahrungsmittel nehmen einen riesigen Raum ein, welcher sich immer weiter vergrößert. Schon Hippokrates sagte: „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein!“ An sich eine wunderbare Einstellung, nur kann der Körper hier rasch in eine Mangelsituation kommen.

Immer reduzierter

Will jemand zum Beispiel um jeden Preis Krebs verhindern und verzichtet deshalb auf tierische Produkte, kann er oder sie an einem Vitamin-B12-Mangel leiden. So weit kein Problem, auch dieser wäre behandelbar. Aber das Blickfeld des Orthorektikers wird immer eingeschränkter, bis nur noch rohes Obst und Gemüse übrig bleiben, da die meisten Lebensmittel mit irgendwelchen Krankheiten in Verbindung gebracht werden. Und dann wird aufgrund des Fruchtzuckers auch noch das Obst gestrichen.

Soziale Probleme

Im Gegensatz zu anderen Menschen, deren Essverhalten gestört ist, verheimlicht der Orthorektiker sein Verhalten nicht. Das führt zu sozialen Problemen. Es beginnt damit, dass man nicht mehr auswärts essen gehen kann, weil die Zubereitung der Lebensmittel nicht korrekt erfolgt. Der ständig erhobene Zeigefinger im Freundes- und Familienkreis führt über kurz oder lang zu einem Rückzug des Umfeldes. Auch, wenn die Orthorexie eigentlich „gesund“ beginnt, kann sie in eine Krankheit führen, weil Zwanghaftigkeit, fehlende Einsicht und soziale Isolierung bestehen. Sie stellt im übrigen auch häufig den Ein- oder Ausstieg in die Anorexia nervosa, die Magersucht, dar.

Das erste Eis

Warum erzähle ich Ihnen so ausführlich davon? Ich finde es gut, wenn man sich mit gesunder Ernährung beschäftigt. Nur sollten Sie nicht den ganzen Tag rechnen und planen müssen, was Sie abends essen werden und dabei vieles übersehen.

Vielleicht hätten Sie in der Frühlingssonne den ersten Schmetterling des Jahres gesehen. Vielleicht hätten Sie sich so darüber gefreut, dass Sie sich daraufhin mit Ihrem Kind/Partner/Kollegen das erste Eis der Saison gegönnt hätten? Und ja, es wäre auch nicht das letzte Eis der Saison geblieben!

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