Chronik | Oberösterreich
12.08.2018

Weniger Zucker und Salz

Hitzebekämpfung. Trinken Sie mehr Wasser, machen Sie trotz der Hitze Bewegung

Die Hitzewelle geht weiter und weiter und weiter. Angeblich kann man sich durch die Kraft der Gedanken ja etwas abkühlen, indem man sich an einen kalten Ort denkt. Inzwischen habe ich mich schon erfolglos in Schneestürme auf den Bergen hineinmeditiert. In der Realität bin ich in einen Bergsee gesprungen, der sich heuer allerdings wie ein Badeteich anfühlte. Kurz und gut: Ich leide.

Erweitere Gefäße

Natürlich bin ich mir meiner Unbescheidenheit bewusst, denn gerade älteren Menschen machen diese Temperaturen oft tatsächlich schwer zu schaffen. Das Herz-Kreislauf-System ist damit beschäftigt, Flüssigkeit – sprich Blut – zur Abkühlung in die Körperperipherie zu pumpen. So unangenehm uns der Schweiß oft ist, er ist auch lebenswichtig – er schützt uns vor Überhitzung. Dieses Pumpsystem steht bei Hitze vor zusätzlichen Schwierigkeiten: die Gefäße sind erweitert. Das bedeutet, dass es mühsamer ist, das Blut aus den kleinsten Gefäßen über die Venen zurück zum Herzen zu transportieren.

Ist die Pumpe überfordert, bleibt das Blut länger als üblich an einem Ort. Und da unsere Gefäße nicht dicht sind – immerhin brauchen wir ja den Nährstoff- und Gasaustausch – , kommt es vor, dass Flüssigkeit ins Gewebe übertritt. Das führt zum Beispiel zu geschwollenen Beinen, die viele meiner PatientInnen derzeit beklagen. Leiden Sie an Herz- oder Nierenerkrankungen, benötigen Sie derzeit vielleicht entwässernde Medikamente. Klären Sie dies am besten mit der Ärztin/dem Arzt Ihres Vertrauens ab.

Sind Sie stolze/r BesitzerIn von Krampfadern, wäre jetzt der optimale Zeitpunkt um Kompressionsstrümpfe zu tragen. Ich weiß, leichter gesagt als getan. Bestehen Wassereinlagerungen, sogenannte Ödeme, ohne zugrundeliegende Erkrankungen, kann ich Ihnen ein paar natürliche Tipps geben. Trotz der Hitze hilft Bewegung. Durch die Aktivität der Beinmuskulatur wird Blut zurück zum Herzen gepumpt und beugt so Beinschwellungen vor. Danach dürfen Sie gerne Ihre Beine hochlagern, denn auch das fördert den Rückfluss.

Dr. Silke Kranz ist Sport- und Ernährungsmedizinerin in Bad Zell.

Kneippen

Kaltes Wasser verengt die Gefäße – versuchen Sie sich doch einmal im Kneippen. Sie können natürlich (zumindest) Ihre Beine kalt abduschen. Und wenn Sie ihn denn finden, in den kühlen Bergsee springen. Aus der ernährungsmedizinischen Sicht empfehle ich Ihnen, weniger Zucker und Kochsalz zu verwenden. Zucker bindet bei seiner Speicherung Wasser. Das im Salz enthaltene Natrium zieht Wasser förmlich ins Gewebe und fördert so Ödeme. In unserem Körper stellt den Gegenspieler zum Natrium das Kalium dar. Somit unterstützt uns Kalium beim Entwässern.

Spülen Sie sich durch

Greifen Sie also gehäuft zu Kopfsalat, Fenchel, Ananas, aber auch zu Kartoffeln und Naturreis. Stärker entwässernd wirken Brennnessel und Löwenzahn, welche Sie sowohl als Tee wie auch als Salat verwenden können. Fügen Sie noch Petersilie hinzu, und Ihre Anti-Ödem-Kombination ist perfekt. Auch wenn es auf den ersten Blick unlogisch wirkt: Trinken Sie mehr Wasser!Eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme führt auch zu vermehrter Ausscheidung. So können Sie sich selbst beim „Durchspülen“ unterstützen.

Gesund leben

Alles in allem lotst uns ein gesunder Lebensstil auch gut durch eine Hitzewelle. Wenn Sie also bisher noch keinen Grund dafür gefunden haben, starten Sie genau jetzt neu durch!

Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell