Vorkämpferinnen des Feminismus
Ausdehnung (schwanger), 1978, Annegret Soltau
Es ist eine höchst ungewöhnliche, für manche Besucher vielleicht verstörende Doppelausstellung, die jetzt im altehrwürdigen Rahmen des Museums Francisco Carolinum in der Linzer Museumstraße eröffnet wurde: Feministische Body Art, bei der die Künstlerinnen über weite Strecken ihren eigenen, häufig nackten Körper zum Objekt der Gestaltung und damit auch zur Vermittlung ihrer Botschaften machen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Fotografie. Die eine der beiden Ausstellungen mit dem Titel „Unzensiert – Eine Retrospektive“ ist der 1946 in Lüneburg geborenen Künstlerin Annegret Soltau gewidmet, die bis heute mit ihrer radikalen Bildsprache zu den wichtigsten Vertreterinnen der feministischen Avantgarde und der Body Art in den 1970er- und 1980er-Jahren zählt. Sie kommt ursprünglich von der Grafik her, begann aber bald mit Fotos – vorerst den Negativen – zu experimentieren.
Annegret Soltau
Ebenfalls schon in den 70er-Jahren begann Annegret Soltau den weiblichen Körper zum Ausdrucksmittel ihrer Kunst zu machen, radikal, drastisch und auch provokant im Sinne des Feminismus. Als dieses künstlerische Ausdrucksmittel diente ihr zunehmend der eigenen Körper. Wobei damals Fragen der Schwangerschaft, des Mutterwerdens und der Familie in den Mittelpunkt rückten. Sie bekam eine Tochter und einen Sohn, was ihr in feministischen Kreisen übel genommen und als „Verrat“ ausgelegt wurde. Gerade die Veränderungen des weiblichen Körpers sowohl durch die Schwangerschaft als auch durchs Altern sind bis heute eine weitere Facette der Kunst von Annegret Soltau.
Selbst#16. Annegret Soltau
So ließ sie sich zum Beispiel eine Gesichtshälfte auf Alt schminken, das Foto zeigt sie daher mit dem jugendlichen und dem alten Gesicht. Dasselbe ließ die Künstlerin mit ihrem ganzen nackten Körper machen, der damit ebenfalls die Vergänglichkeit veranschaulicht. „Annegret Soltau war zu ihrer Zeit die Erste und Einzige, die die feministischen Anliegen zum Gegenstand ihrer Kunst machte und dabei vor allem auch die Auseinandersetzung mit der traditionellen Frauen- und Mutterrolle nicht scheute“, erläutert Michaela Seiser, die Kuratorin dieses Teils der Ausstellung.
Eva Partum
Im zweiten Teil geht es um die 1945 in Polen geborene Eva Partum, die bis zu den politischen Umbrüchen 1981 in ihrer Heimat als feministische Künstlerin arbeitete, mit allen Einschränkungen, die es damals für sie gab, etwa, wenn es um Ausstellungen ging. Die Werkschau im Francisco Carolinum beschränkt sich bis auf eine Ausnahme auf die Zeit Partums in Polen. Die Probleme, die die Künstlerin hatte, kamen nicht von ungefähr. War doch auch ihr Schaffen von Radikalität und Provokation gekennzeichnet. Etwa, wenn sie ihren nackten Körper als Collage in Fotos von Straßenszenen einbaute oder – wie in einem Fall – nackt auf dem Gehsteig erschien, während im Standesamt nebenan eine Trauung stattfand. Selbst gestaltete Straßen- und Verbotsschilder gehörten ebenso zu ihrem Œuvre wie die Auseinandersetzung mit Buchstaben, der Schrift und auch Dokumenten. Die Ausstellung im Francisco Carolinum ist bis 28. Juni geöffnet.
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