Chronik | Oberösterreich
06.08.2017

Von Moorgeistern und Irrlichtern

Ein lauer Sommerabend an der oberösterreichisch-salzburgischen Grenze. Der größte zusammenhängende Moorkomplex Österreichs im Oberen Innviertel lädt zu einer besonderen Erkundung ein.

Nahe des Ortes Ibm geht es auf einem vier Kilometer langen Rundweg durch das Moor "Pfeiferanger", ein noch ursprünglich erhaltenes Moorgebiet. Holzstege machen eine Begehung möglich. Maria Wimmer, eine Naturführerin, begleitet uns. "Vor rund 12.000 Jahren, als sich der Salzachgletscher der letzten Eiszeit nach und nach aus dieser Gegend zurückgezogen hat, entstand das Ibmer Moor. Auf dem wasserdichten lehmigen Untergrund bildete sich aus Niederschlägen ein ständiger Wasserüberschuss. Die pflanzlichen Reste wurden so durch den fehlenden Sauerstoff unvollständig abgebaut und als Torf abgelagert. In 1000 Jahren entstand so jeweils ein Meter Torf", erzählt sie.

Intensiver Torfbbau

Ein großer Teil des insgesamt 20 Quadratkilometer großen Moores verschwand allerdings durch intensiven Torfabbau, der im 19. Jahrhundert begann. Dennoch ist das Ibmer Moor auch heute noch ein idealer Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen. rund 200 Hektar stehen unter Naturschutz.

Wir bewegen uns mit wachen Sinnen durch das Moor. Ein fester Tritt auf den schwingenden Holzsteg lässt die in der Nähe wachsenden Birken vibrieren. Wer einen Fehltritt riskiert, versinkt im tiefen Morast. Also heißt es aufpassen. Wir beobachten ein Mosaik aus verschiedenen schutzwürdigen Pflanzenarten wie den fleischfressenden Sonnentau, die Schnabelbinse, Fadensegge oder das Pfeifengras.

Der Weg führt am Vogelparadies Seeleithen vorbei. Der Ruf des Großen Brachvogels ertönt. Sein Markenzeichen ist der 20 cm lange Schnabel und sein melodiöses Trällern, darum sein Zusatzname "Moorflöte". Vom erhöhten Aussichtspunkt gibt es bei Sonnenuntergang einen prachtvollen Rundblick auf den Leithensee, das Moor und die Bayrischen Kalkalpen mit dem Gipfel des Watzmann.

Jausenstation

Kurz danach ist die urige Jausenstation Seeleiten erreicht. Hier lassen sich die vielen Natureindrücke bei einer Brettljause mit knusprigem Brot aus dem eigenen Holzbackofen und einem Glas Most hervorragend verarbeiten. Seniorwirt Felix Peer erzählt manchen Schwank aus den früheren Zeiten des Torfabbaus.

Gespenstisch

Auf dem Rückweg durch das nächtliche Moor erzeugt das Licht von Laternen eine gespenstische Atmosphäre. Diese Stimmung wird noch verstärkt durch Geschichten von Moorgeistern und Irrlichtern, die die Moorführerin zum Besten gibt. Viele sollen schon im Moor ihr Leben gelassen haben. Ein Wort der Dichter Anette von Droste-Hülshoff kommt in den Sinn: "O schaurig ist´s übers Moor zu gehen …" Aber wir haben Glück. Wir gelangen wohlbehalten zum Ausgangspunkt zurück.Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil besondere Orte der Natur und Kultur in Oberösterreich.www.naturschauspiel.at