Vom Herumhängen

Seppy
Manchmal hänge ich einfach nur herum. Nicht so, wie ihr vielleicht denkt. Ich lungere nicht irgendwo, ich hänge wirklich. Von Christa Koinig.

Wie ein Faultier, das langsam vor sich hin döst, oder wie eine Fledermaus, die sich von der nächtlichen Jagd ausruhen muss. Nach jeder Vorstellung in unserem Theater werden wir Puppen nämlich an unsere Haken gehängt, sozusagen mit dem Kopf nach unten. Dort warten wir auf den nächsten Auftritt.

Meistens sind wir müde und schlafen gleich ein. Doch wenn es gerade besonders aufregend war und das Ausruhen nicht so richtig klappt, sehe ich mich hinter der Bühne ein wenig um. Es ist witzig, denn verkehrt herum entdecke ich Dinge, die ich vorher nie so richtig bemerkt habe. Das mächtige Schloss mit seinen Türmen wird zur Dachrinne mit Eiszapfen, beim finsteren Wald könnte man meinen, es sind umgedrehte Besen, und Felsen, die eben noch auf der Bühne standen, werden plötzlich zu Gnomen mit dicken Bäuchen. Nichts wirkt mehr bedrohlich.

Alles ist winzig

Es ist ein bisschen so, wie wenn man auf einem Berggipfel steht und auf die Welt da unten schaut: Alles ist winzig und all unsere Probleme scheinen nicht mehr wichtig zu sein. Ich muss kichern, denn es ist sehr lustig, meine kleine Welt so verdreht zu sehen. Da sagt Omama, die mich beobachtet hat – und die ich natürlich auch verkehrt sehe – ganz sanft zu mir: „So ist es auch im Leben da draußen. Das Wundersame ist oft schon da. Du musst es nur sehen.“

Und jetzt weiß ich: Egal, ob auf einem Berggipfel oder verkehrt hinter der Bühne – manchmal muss man nur den Blickwinkel ändern, um all das Wunderbare rund um uns herum zu entdecken.

Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters

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