In Oberösterreich gibt es rund 160 Paketzusteller-Betriebe

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Chronik Oberösterreich
12/16/2018

Viel Arbeit, schlechte Bedingungen

Ob selbstständig oder nicht, die Arbeitssituation der Paketzusteller ist vor allem bei kleinen Betrieben oft prekär

von Michaela Greil

Ein kosovarischer Paketzusteller war zirka zwei Wochen bei einem Kleintransportunternehmen in Linz beschäftigt. Der Bruttostundenlohn betrug 7,58 Euro bei 40 Stunden pro Woche. Das Arbeitsverhältnis wurde in der Probezeit aufgelöst. Der Mann war weder bei der Krankenkasse angemeldet und versichert, noch wurde er für seine Arbeit bezahlt. Kurz darauf war das Unternehmen insolvent.

Ein anderer Zusteller aus Rumänien war knapp zwei Monate bei einer Firma in Linz beschäftigt. Er wurde wegen Verlusts einer Auslieferungstour von einem Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt. Hierbei handelt es sich nicht um Einzelfälle. In Oberösterreich gibt es rund 160 Paketzusteller-Betriebe. Mehr als die Hälfte davon sind Einzelunternehmer oder Betriebe mit einem Mitarbeiter. Gerade bei kleinen Betrieben ist die Arbeitssituation der Zusteller oft prekär. Geringe Stundenlöhne, viele Wochenstunden, unvergütete Überstunden und die Frage, ob es Scheinselbstständigkeit ist, sind scheinbar üblich.

Unselbstständige Paketzusteller sind „Dauergäste“ in der Arbeitsrechtsberatung und -vertretung der Arbeiterkammer (AK). Im Kleintransportgewerbe gab es von 2016 bis 2018 fast 400 Rechtsfälle. Pro Jahr wurden zwischen 116 und 138 Akte gegen 63 bis 76 verschiedene Arbeitgeber bearbeitet. Der Erfolg belief sich auf 173.000 bis 223.000 Euro pro Jahr. „Diese Zahlen bringen zum Ausdruck, wie respektlos die unselbstständig Beschäftigten in dieser Branche behandelt werden“, sagt Präsident Johann Kalliauer gegenüber dem KURIER. „Sie werden für ihre herausragenden Leistungen nicht nur schlecht bezahlt, sondern es werden ihnen sogar ihre Zahlungen wie zum Beispiel für Überstunden vorenthalten.“

Bei Expressdiensten und Paketzustellern spielt laut AK neben der Klassifizierung als Arbeiter oder Angestellte eine wichtige Rolle, ob die Beschäftigten unter den Kollektivvertrag für Spedition oder für das Güterbeförderungsgewerbe fallen. Letzterer biete deutlich schlechtere Bedingungen und komme vor allem bei Subunternehmen zur Anwendung, insofern sie sich an einen Kollektivvertrag halten.

Zur Situation der selbstständigen Paketzusteller gibt es kaum Informationen. Weder sie noch betroffene unselbstständige Paketzusteller wollten mit dem KURIER über ihre Situation reden. Zu groß ist die Angst, ihre Arbeit zu verlieren.

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