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Chronik Oberösterreich
03/02/2020

Vertrauen in Pflanzenpower nimmt stetig zu

Ob Soja, Mandel, Hafer oder Reis – Pflanzendrinks sind voll im Kommen. Die Milchwirtschaft sieht es gelassen.

von Claudia Stelzel-Pröll

Das Bild in den Supermarktregalen hat sich stark gewandelt. Abgesehen von Kuhmilch steht dort mittlerweile eine beachtliche Anzahl pflanzlicher Milchalternativen, korrekt Pflanzendrinks genannt. Das Wort „Pflanzenmilch“ ist laut EU-Verordnung aus 2017 verboten: Milch muss aus einem tierischen Euter kommen, um so genannt werden zu dürfen.

Umsatzplus

Diese sprachliche Spitzfindigkeit ist Wolfgang Goldenitsch ziemlich egal. Der 44-jährige Burgenländer ist Geschäftsführer der Mona Naturprodukte GmbH, zu der unter anderem die Marke „Joya“, Österreichs größter heimischer Produzent von Pflanzendrinks, gehört. „Wir haben jedes Jahr rund 10 Prozent Umsatzsteigerung. Die Nachfrage steigt ständig“, erklärt er. Goldenitsch kommt aus der Milchindustrie, spaltete das Unternehmen 2003 aus der Molkerei Oberwart ab. Wo früher Kuhmilch abgefüllt wurde, entstehen jetzt Hafer-, Reis-, Soja-, Dinkel- und Mandeldrinks.

Laut Goldenitsch gibt es drei Gründe, warum Menschen zu Milchalternativen greifen: „Es gibt jene, denen das Tierwohl sehr am Herzen liegt. Dann gibt es die, die verstärkt auf ihre Gesundheit achten wollen und dann gibt es noch jene, die mit ihrer Ernährung einen Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen.“

Geschmack ist entscheidend

Dabei geht es Goldenitsch abgesehen von diesen Themen vor allem um eines: „Die Drinks müssen schmecken, sonst kauft sie niemand. Der Geschmack steht ganz oben.“ Auch auch die Herkunft der Rohstoffe ist entscheidend: „Wenn möglich, beziehen wir unsere Rohstoffe aus Österreich. Bei Hafer, Dinkel und Soja ist das einfach. Die Mandeln kommen zum Großteil aus Spanien oder Italien, Kokos müssen wir aus Südostasien importieren.“

Bis zum Jahr 2025 werden weltweit rund 34 Milliarden Euro für Milchersatzprodukte ausgegeben werden, schätzt das Beratungsunternehmen Global Market Insights. Das wäre doppelt so viel wie heute. Ein Ende des Booms ist also nicht in Sicht.

Megatrend

Dabei ortet Goldenitsch schon den nächsten Megatrend: die zuckerfreie Ernährung. Darauf reagiere man mit speziellen zuckerfreien Pflanzendrinks. Konflikte mit der heimischen Milchwirtschaft gibt es nicht, versichert Wolfgang Goldenitsch: „Wir agieren nicht mit dem erhobenen Zeigefinger.“

So sieht das auch Josef Braunshofer, Geschäftsführer der Berglandmilch: „Wir beobachten diese Entwicklung bei den Pflanzendrinks, haben aber keine Angst. Ich bin mir sicher, dass Ernährungstrends nebeneinander existieren können.“ Als großes Plus der Kuhmilch sieht Braunshofer den hohen Kalziumanteil und „dass wir keine Futtermittel aus Übersee verwenden.“ Außerdem gibt es ab sofort die wieder befüllbare Glasflasche im Handel.

„Wir bieten ein natürliches Produkt aus naturnaher Landwirtschaft. Und die Absatzzahlen geben uns recht.“ Trotzdem hat Berglandmilch mittlerweile ein Produkt namens „Hafer & Milch“, also eine Mischung auf Haferdrink und Kuhmilch, im Sortiment. „Wir entwickeln uns weiter – auch wenn ich persönlich Milchtrinker bleibe“, lacht Braunshofer.

"Auf Versorgung mit Kalzium achten"

Klaus Nigl leitet den Studiengang „Diätologie“ an der FH Gesundheitsberufe OÖ. Im KURIER-Gespräch erklärt der Diätologe, wie Kuhmilch und pflanzliche Alternativen  wirken: „Es gibt  geografische Unterschiede. Während wir  in Europa und Amerika tierische Milch gut vertragen, nimmt bei einem Großteil der afrikanischen und asiatischen Bevölkerung nach dem Kinder- und Jugendalter die Fähigkeit des Körpers ab, Milchzucker  zu verdauen. Das ist  eine genetische Veranlagung.“

Schwer vergleichbar
Die Empfehlung lautet aktuell: ein halber Liter Milch bzw. Milchprodukte pro Tag. „Tierische und pflanzliche Produkte sind  schwer vergleichbar. Wer aber auf Kuhmilch verzichten will, sollte darauf achten, dass die pflanzlichen Alternativen mit Kalzium angereichert sind. Sonst kann es zu einer Unterversorgung kommen“, weiß Nigl. Für Laktoseintolerante, Milch-Allergiker oder für jene, die ökologisch oder gesundheitlich Bedenken beim Konsum von tierischen Produkten haben, seien die Pflanzendrinks eine gute Alternative. Prinzipiell könne man nicht sagen, das eine sei gesünder als das andere. „Wichtig ist, dass ein breites Spektrum an  Lebensmitteln zur Verfügung steht.“ Im Diätologie-Studium spielen Milch und Pflanzendrinks  eine Rolle: „Ob in der Lebensmittelkunde und -technologie oder in der Ernährungsökologie – beides hat Platz.“

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