Chronik | Oberösterreich
06.05.2018

Stets bereit für den Neuanfang

Pupping. Der Wolfgangweg führt zur Skischanze Hinzenbach und zur Ruine Schaunberg

Immer bereit zum Neuanfang. Dieses Lebensmotto des Heiligen Wolfgang könnte auch für das heutige Kloster Pupping gelten und soll auch den Besucher auf dem „Wolfgangweg“ in Pupping begleiten. An diesem Ort ist der populäre Heilige im Jahr 994 gestorben. Seine letzten Worte waren: „Lasst die Türen der Kirche offen.“ Diesem Geist fühlt sich auch der im heutigen Kloster lebende Franziskanerpater Fritz Wenigwieser verpflichtet. Die Türen des Klosters sind immer offen. Neben den Ordensmitgliedern leben bis zu zehn Gäste auf Zeit hier.

Pater Fritz kennt die wechselvolle Geschichte: „Die dem Heiligen Othmar gewidmete Kapelle, in der Wolfgang gestorben ist, wurde weitgehend in den Wirren der Jahrhunderte zerstört. Nur mehr ein Fußknochen von Wolfgang erinnert als besondere Reliquie an diese frühe Zeit. Sie befindet sich in einer Steinplatte vor dem heutigen Altar.“ Ebenso zerstört wurde das von den Schaunberger Grafen gestiftete Kloster. Dieses hat der engagierte Franziskanerpater in den letzten zwanzig Jahren wieder zur spirituellen Blüte geführt.

Der heilige Wolfgang ist in Pupping verstorben. Einer seiner Fußknochen wird als Reliquie verehrt.

Nach einem letzten Blick in den Klostergarten mit dem künstlerisch gestalteten Meditationsweg geht es zur zweieinhalbstündigen Wolfgangrunde. Längere Zeit zieht sich der Weg entlang fruchtbarer Felder und den Wasserarmen der nahen Donau. Wenn es stimmt, was die alten Sagen berichten, sind im Mittelalter genau hier tausende Krieger durchgezogen. Jetzt laden Gaststätten wie der Nibelungenhof zu Stärkung ein. Einer der vielen Gemüsebauern dieser Gegend verteilt gerade Bewässerungsrohre auf seinem mit Schutzhüllen zugedecktem Feld. Darunter warten schon Kraut- und Kohlrabipflanzen auf die wärmende Frühlingssonne. Nach einer Gehstunde tauchen die Sprungschanzen von Hinzenbach auf. Furchterregend, von oben auf die Landepiste zu blicken. Umso größer ist der Respekt vor den jugendlichen Skifliegern, die hier auf Spitzenleistungen erbringen. Nächstes markantes Ziel ist die Landerlkapelle. Das beliebte Hochzeitskirchlein bietet einen großartigen Blick auf das Eferdinger Becken. Hier ein guter Platz für eine wohlverdiente Rast und eine Belohnung nach dem Aufstieg über 150 Höhenmeter.

Nun folgt eine besonders idyllische Wegpassage. Durch den lichten Laubwald blickt man immer wieder in die Ebene und nach einigen Gehminuten auch auf die mächtige Ruine Schaunberg. Einst war sie die größte Burganlage von Oberösterreich. Der Bergfried mit seinen 32 Metern ist einer der höchsten in ganz Österreich. Das vom Kaiser Barbarossa verliehene Mautrecht an der Donau stellte die Mittel für den Bau dieser Anlage bereit. Wer von der Burgterrasse hinunterblickt, versteht gut, dass sich der Name „Schaunberg“ von der prächtigen Aussicht ableitet und „vom Berg schauen“ bedeutet. Auf einem steilen Pfad geht es schließlich bergab. Wieder auf der Ebene führt der Weg entlang eines Flugfeldes zurück nach Pupping. Fast verpflichtend ist jetzt eine Stärkung im Gasthof Klinglmayr, einem aus dem Mittelalter stammenden Vierkanter mit einem Erker im Renaissancestil. Im Gewölbe innerhalb der meterdicken Mauern lässt sich trefflich speisen.

Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Pepimobil interessante Plätze der Kultur und Natur