© Josef Leitner

Chronik Oberösterreich
06/01/2019

Staunend durchs wunderschöne Mühlviertel

Der 16 Kilometer lange Wanderweg „Hansbergrunde J1“ erschließt die traumhafte Landschaft und ihre spannende Geschichte.

Der Wind bläst uns Wanderern im Mühlviertler Ort St. Johann (Bezirk Rohrbach) ordentlich um die Ohren. Kein Wunder, lässt doch schon der Namenszusatz „am Wimberg“ auf die ursprüngliche Bezeichnung „Windberg“ für den nahe gelegenen Höhenrücken schließen. Bis 1930 soll dieser Begriff gebräuchlich gewesen sein, wie Amtsleiter Josef Hinterhölzl weiß.

Vielfältig

Der Wanderweg „Hansbergrunde J1“ führt uns jedoch zu windgeschützten, lauschigen Plätzen. Zum Glück ist er exzellent markiert, denn auf dem 16-Kilometer Rundweg geht es durch eine bunt-vielfältige Landschaft.

Blinder Wanderer

Vor uns schreitet ein Pärchen flotten Schrittes voraus. Die beiden Wanderer verringern ihr Gehtempo weder bei steileren Wiesenpassagen noch auf einem mit Ästen übersäten Waldstück. Ihre Gehgeschwindigkeit beeindruckt. Schließlich holen wir sie ein und begleiten sie ein Wegstück. Wir staunen nicht schlecht: Der Mann ist vollkommen blind. Die Geschichte der beiden ist bemerkenswert. Christine ist Sozialarbeiterin und hat den im selben Kirchenchor singenden Christoph auf Wanderungen begleitet. Dabei sind sie sich nähergekommen und ein Paar geworden. Seitdem streifen sie mit Freude durch die Mühlviertler Landschaft in der Region Rohrbach. Christoph freut sich am Rascheln des Laubes, dem Gesang der Vögel, der guten Luft und überhaupt am Leben. Sein Lieblingssatz: „Wie ist doch das Leben schön“. Ein besonderes Erlebnis, das uns den eigenen Sehsinn wieder besonders schätzen lässt.

Ruine Waxenberg

Die Ausblicke sind großartig. Vom Rücken des Petersbergs blicken wir über glatt gemähte Wiesen und sanfte Hang- und Waldkuppeln. Aus der Ferne grüßt der Turm der Ruine Waxenberg herüber. Es verwundert nicht, dass dieser Rundweg auch Teil des Europäischen Fernwanderwegs ist, der von der Nordsee bis zu den Karpaten führt. Ebenso ist er Teil mehrerer regionaler Wege wie des Kraft-Quelle-Baum-Weges.

Am Pesenbach

Schautafeln informieren darüber, dass die Linde das Gemüt kühlt und das Herz stärkt und dass die Zitterpappel in sich gekehrte Menschen zu mehr Aktivität anregt. Auch der Granit-Pilgerweg führt hier vorbei. Dann geht es wieder hinunter, dem Tal des Pesenbachs entlang. Bei der Sägmühle, einer von früher sieben Mühlen im Ortsgebiet, überqueren wir das Gewässer. Es lohnt, dem Murmeln des Wassers zuzuhören. Dann geht es wieder auf die Höhe zur Fellner-Kapelle. Im Schatten von zwei Linden, welche beim Bau der Kapelle 1855 gepflanzt wurden, lädt wieder eine Bank zur Rast ein.

Schließlich wird der höchste Punkt des Rundwegs, der 850 Meter hohe Hansberg erreicht.

Kapelle

Wer glaubt, dass sich der Name von St. Johann ableitet, irrt. Der pensionierte Schuldirektor Raimund Holly kennt die Geschichte: „Der Eigentümer des im nahen St. Veit gelegenen Wasserschlosses, Baron Johann Hager, hat hier im 17. Jahrhundert zu Ehren des Hl. Johannes eine Kapelle errichtet, die dem Berg den Namen gab. Diese wurde im 19. Jahrhundert vom Industriellen und Schlossbesitzer Adolf Seyrl zu einer Gaststätte ausgebaut, die sie auch heute noch ist.“

Landeshymne

Illustre Gäste sollen sich hier eingefunden haben, darunter auch Hans Schnopfhagen. Er hat die Melodie zur oberösterreichischen Landeshymne komponiert. Auf dem weiteren Rundweg passieren wir das Denkmal, das ihm zu Ehren errichtet wurde.

Autor: Josef Leitner

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