Chronik | Oberösterreich
03.09.2017

Sportlicher Salzkammergut-Doppelgipfel mit Traumblick

Schober und Frauenkopf – Idyllische Blicke auf den Fuschl-, Mond-, Wolfgang- und Attersee.

Was für einen Gourmet der Besuch eines Haubenlokals, ist für den Naturfreund die Besteigung eines der schönsten Doppelgipfel im Salzkammergut, Schober und Frauenkopf. Beide sind gewürzt mit so mancher Überraschung, jenseits von Routine mit einem Schuss Abenteuer.

Ausgangspunkt dieser besonderen Wanderung sind die Orte Thalgau oder Fuschl, von wo man in einer Stunde auf gut markierten Wegen den Ansitz Wartenfels erreicht. Wir ziehen es vor, zeitig am Morgen direkt von dort zu starten. Das schlossähnliche Eventlokal und das in einem hundert Jahre alten Forsthaus befindliche Gasthaus werden wir erst später kennenlernen. Auf der Markierung 10 geht es Richtung Schober vorbei an der Ruine Wartenfels. Der gut ausgebaute Wanderweg führt durch den Wald nach oben – in den Pausen immer mit Blick auf den darunterliegenden Fuschlsee. Drahtseile erleichtern im felsigen Gelände den trittsicheren Wanderern den Aufstieg.

Kaum zu glauben: Zu so früher Stunde begegnen uns bereits ein Dutzend jugendlicher Wanderer. Sie haben den Gipfel des Schobers bestiegen, um den Sonnenaufgang zu erleben. Nach 400 Höhenmetern erreichen auch wir ihn und sind fast geblendet vom Ausblick, der sich bietet. Der Morgen hat seine Spur über die Landschaft gezogen. Letzte Nebel liegen in den Tälern wie Reste von Träumen. Manche Orte sehen so aus, als wäre für sie das Wort Idylle erfunden worden. Der Blick fällt auf den Fuschlsee mit dem Schloss, in dem Romy Schneider als Kaiserin Sissy ihre Jugend filmisch verbracht hat. Denn Schloss Fuschl war das Double für Schloss Posshofen, dem Geburtsschloss der Kaiserin. Dahinter lächelt der viel kleinere Irrsee herauf. Im Uhrzeigersinn folgen dann Mondsee, Wolfgangsee und Attersee. Im Süden grüßen die hohen Berge der Alpen mit dem markanten Dachsteinmassiv – schon befreit von den morgendlichen Nebelschwaden. Ein fast mystisches Erlebnis, das von einigen anderen Wanderern in Stille geteilt wird.

In weiteren 20 Gehminuten geht es auf den etwas niedrigeren Frauenkopf. Der Sage nach war er in früheren Zeiten eine Pilgerstätte für unfruchtbare Frauen. Wieder bietet sich ein atemberaubender Panoramablick.

Der Markierung folgend geht es auf steilen Serpentinen zurück zur Ruine Wartenfels. Bereits 1259 auf einem kleinen Felsvorsprung am Fuß des Schobers erbaut, bietet die exponierte Lage eine großartige Aussicht ins Mondseeland. Jahrhunderte lang Gerichtsgebäude der Salzburger Bischöfe verfiel es Ende des 16. Jahrhunderts. Vorher noch war Paracelsus zu Gast und soll auch eine enge Beziehung zur Frau des Burgpflegers unterhalten haben. Wer weiß, welche medizinischen Erkenntnisse der berühmte Arzt hier gewonnen hat.

Die zweieinhalbstündige Rundwanderung findet im Restaurant des Forsthauses bei einer feinen Jause ihren würdigen Abschluss. Hier trifft Naturfreude auf Gourmetgenuss.

Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil besondere Orte der Natur und Kultur in Oberösterreich.