SKF hat die Talsohle durchschritten
Robert Zeillinger in der SKF-Produktion in Steyr
Der Wälzlagerhersteller SKF Österreich ist auf Erholungskurs: Nach vier Jahren mit rückläufigen Zahlen sowie dem Abbau von rund 150 Mitarbeitern am Standort Steyr erwartet Firmenchef Robert Zeillinger für 2026 erstmals wieder Zuwächse.
„Wir werden im nächsten Jahr beim Umsatz rund drei bis fünf Prozent zulegen“, sagt Zeillinger im KURIER-Gespräch.
Keramik-Lager
2025 stagnierte der Wert nach ersten Berechnungen bei 444 Millionen Euro. Als Grund für das Plus nennt Zeillinger den erfolgreichen Abschluss der Konsolidierung, bei der sich der Standort noch mehr auf höherwertige Hybridlager aus Keramik spezialisiert hat. Der mit 15 Prozent noch relativ kleine Umsatzbereich legt rasant zu: Das Auftragsvolumen für 2026 ist um 70 Prozent höher als im Vorjahr. Steigende Nachfrage kommt unter anderem von Betreibern von Datenzentren, die zur Kühlung Kompressoren einsetzen, in denen SKF-Kugellager verbaut sind.
Nach China verlagert
Größter Umsatzträger ist nach wie vor der „klassische“ Bereich mit Schrägkugellager (40 Prozent Anteil), gefolgt von stromisolierten Lagern mit keramischer Beschichtung (30 Prozent). Keramische Beschichtungen werden unter anderem bei Antriebsmotoren von Eisenbahnen eingesetzt. „Bei klassischen Lagern ist die Situation nach wie vor schwierig“, so Zeillinger. Mit diesen hat SKF von Steyr aus unter anderem chinesische Maschinenbauer beliefert, wobei die schwedische Konzernmutter das jetzt direkt von SKF-Schwesterwerken in China machen lässt. Für Steyr bedeutet das 20 Prozent Umsatzentgang, dafür aber einen noch stärkeren Fokus auf Spezialprodukte.
Ein Zylinderrollenlager für die Eisenbahn und Kompressoren
Dieser schlägt sich auch in den Investitionen nieder. Nachdem in den vergangenen sieben Jahren 140 Millionen Euro in die Modernisierung, Automatisierung und Industrialisierung des Standortes gesteckt wurden (u. a. in die Anschaffung von modernsten Robotern), soll nun noch einmal ein zweistelliger Betrag in die Spezialisierung investiert werden. Die Entscheidung darüber fällt zur Jahresmitte 2026.
Auswirkungen auf den Mitarbeiterstand (derzeit 858 fixe und 88 Leasingkräfte) wird das vorerst nicht haben. Die 2022 eingeführte Fünf-Tage-Woche mit zwei bzw. teilweise drei Schichten soll beibehalten werden. Bis 2022 wurde bei SKF in Steyr sechs Tage pro Woche rund um die Uhr produziert, danach wurden schrittweise Mitarbeiter abgebaut. „Aber die Talsohle ist durchschritten und die Konjunktur zieht an“, sagt Zeillinger. Man habe sich nach schwierigen Jahren wieder erholt.
Schwedische Eigner
SKF Österreich ist zu 100 Prozent im Eigentum der schwedischen AB SKF (Svenska Kullagerfabriken) mit 70 Standorten weltweit, an denen 38.000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Der Umsatz lag zuletzt bei 8,6 Milliarden Euro. Erzeugt werden Kugellager und Rollenlager, die „in allem drinnen sind, was sich dreht,“ so Zeillinger. Das sind: Maschinen, Kompressoren, Pumpen, Elektrogeneratoren usw. In Steyr werden pro Jahr rund 8,7 Millionen Lager herstellt.
Der SKF-Konzern gehört weltweit zu den größten Marktplayern. Weitere bedeutende Marktteilnehmer sind Schaeffler (Deutschland; u. a. im Automobilbereich tätig), Timken (USA), NSK und NTN (beide Japan) sowie C&U (China).
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