© Linzer Puppentheater

Seppy
06/25/2022

Immer tänzelnd auf der Suche

Warum Seppy die schönsten Blumen lieber den Bienen lassen sollte statt sie für die Omama zu pflücken

von Christa Koinig

Unsere Omama züchtet Apis mellifera, da ist sie besonders stolz drauf. Das sind nämlich Honigbienen. Sie wohnen in einem Bienenstock aus Holz, innen drin sind die Honigwaben. Das Wachs für die Waben können die Bienen selber machen, dafür haben sie besondere Drüsen. In den Waben sollte eigentlich ihr Honig gelagert werden für den Winter, damit sie nicht verhungern. Aber wir essen den meisten Honig lieber selber auf und geben den Bienen im Winter Zuckerwasser, das haben sie auch recht gern. Bienen sind immer auf der Suche nach neuen Plätzen, um Nektar zu finden. Ich schau’ ihnen gern zu, wenn sie beim Bienenstock emsig aus- und einfliegen oder dem Bienenvolk mit ihrem Tanz mitteilen, wo sie neue Nahrungsplätze gefunden haben. Sie können mit dem Rundtanz oder mit dem Schwänzeltanz ganz genau beschreiben, wie weit diese Köstlichkeiten vom Bienenstock entfernt sind.

Die kleine Wiese mit den schönen Blumen

Heute aber hat es ihnen gar nicht gepasst, dass ich neben dem Bienenstock gesessen bin. Sie sind ganz hektisch herumgetänzelt und nervös hin und her geflogen. „Weg, weg, weg! Wir haben es eilig!“, riefen sie im Bienenchor. Wahrscheinlich haben sie wieder einen neuen Platz aufgespürt, dachte ich mir und wollte nicht weiter stören.

Am Heimweg hab’ ich dann eine kleine Wiese entdeckt, wo jemand offenbar vergessen hatte zu mähen. Die schönsten Blumen sind da gestanden. Schnell hab’ ich einen ganz großen Strauß davon gepflückt und wollte Omama damit überraschen. Gefreut darüber hat sie sich aber gar nicht. Es war nämlich ihre Idee gewesen, die Blumen für die Bienen stehen zu lassen. Das ist mir jetzt sehr peinlich, und ich glaub’, ich muss mich bei den Bienen entschuldigen.

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