Seppy fiel in die Grube, Max hilft ihm heraus

© Linzer Puppentheater

Chronik Oberösterreich
11/17/2019

Seppy gräbt Max eine Grube

Linzer Puppentheater. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Von Christa Koinig.

Wenn wir im Linzer Puppentheater ein Stück schon sehr lange spielen, können wir alles schon in- und auswendig. Und damit uns trotzdem nicht langweilig wird, erfinde ich vor jeder Vorstellung einen neuen Streich. Manchmal verstecke ich die Zipfelmütze vom Kasperl oder ich singe so richtig falsch, dass sich alle die Ohren zuhalten. Mein letzter Streich ist aber ordentlich danebengegangen. Das heißt, die anderen hatten ziemlich viel Spaß damit. Ich nicht.

Max, der große starke Mann

Begonnen hat es so: Die Leute aus dem Zirkus sind eingetroffen und haben sich dem Publikum vorgestellt, nur der große starke Mann Max hat noch gefehlt. Da hab’ ich mir gedacht, es wär’ doch lustig, wenn Max in eine Grube hineinplumpst und nur mehr mit dem Kopf herausschaut. Also hab’ ich noch schnell eine Grube gegraben und ein paar Zweige draufgelegt, damit man das Loch im Boden nicht gleich sieht. Dann bin ich noch schnell ein paar Runden gelaufen, damit ich noch mehr Hunger bekomme. Unsere Omama hatte nämlich für die Gäste ganz viel köstlichen Kaiserschmarrn zubereitet, und auf den hab’ ich mich ganz besonders gefreut. Aber gekommen ist alles ganz anders.

Hineingefallen

Max, der große starke Mann, ist nicht nur groß und stark, er macht auch große Schritte. Daran hatte ich nicht gedacht. Max ist mit einem einzigen Schritt einfach über die Grube drübergestiegen. Als ich das gesehen hab’, hab’ ich nur gedacht „Auweia, der isst ja jetzt den ganzen Kaiserschmarrn auf und wollte ihm schnell nachlaufen. Weit bin ich aber nicht gekommen, denn ich bin – plumps! – in in die Grube gefallen, in meine eigene Grube!

Peinlich, peinlich

Es hat schon ein bissl gedauert, bis mir wieder jemand herausgeholfen hat. Was glaubt ihr, wer? Es war Max, der große starke Mann. Es war mir sehr peinlich, aber noch viel schlimmer war – der ganze Kaiserschmarrn war aufgegessen. Also, wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters