Josef Ertl

© KURIER

Kommentar
12/24/2019

Sehnsucht nach der heilen Welt

Auch wenn wir uns manchmal nach der guten alten Welt sehnen, sie kehrt nicht zurück. Selbst wenn wir Fortschritte verzeichnen, gibt es Verluste und soziale Kosten.

Was fasziniert uns an den Weihnachtskrippen? Jedes Jahr werden die fragilen Hüttchen, Ställchen, Landschaften und Figürchen aus den Schachteln in der Abstellkammer genommen, abgestaubt und aufgestellt. Wir freuen uns darüber und schauen sie gerne an. Sie erinnern uns an eine vermeintlich heile Welt, an unsere Kindheit, als wir nervös das Christkind herbeigesehnt haben. Dabei ist die Geschichte der Geburt Jesu Christi alles andere als heil: ein uneheliches Kind, geboren in einem Stall.

Die Sehnsucht nach einer heilen Welt treibt uns das ganze Leben lang an. Manchmal bricht der Wunsch nach den früheren Zeiten durch, wo alles gut gewesen sein soll. Wir halten uns gern den Gewinn vor Augen, den die Veränderungen bringen. Aber ab und zu werden uns auch die sozialen und persönlichen Verluste, die Kosten des Aufstiegs, bewusst. Lebenswelten haben sich aufgelöst, alte Gewohnheiten fielen weg, menschliche Beziehungen haben sich aufgelöst. Wir möchten beides: den Fortschritt, doch es soll alles so sein wie in der guten alten Zeit.

Das ist aber eine Illusion. Die Welt schreitet voran, und nicht zurück. Wir können sie jedoch gestalten, menschlich in den Auswirkungen unseres Tuns und menschlich im Umgang mit- und untereinander. Das ist gar nicht so wenig.

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