Die Kanadier-Villa gehört heute der Familie Turnauer

© Josef Leitner

Chronik Oberösterreich
08/18/2019

See der Künstler und der Reichen

Am Wasser. Der Attersee ist insbesondere im Sommer ein genialer Platz. Kein Wunder, dass er seit 150 Jahren Künstler und reiche Bürger anzieht.

Der Attersee war schon immer ein beliebter Siedlungsplatz, von der Jungsteinzeit vor 6.000 bis zur keltischen Besiedlung vor 3.000 Jahren. Auch Industrielle und wohlhabende Bürger des ausgehenden 19. Jahrhunderts errichteten hier ihre Villen. Während die Pfahlbauten allesamt drei Meter unter dem Wasserspiegel verborgen liegen, lassen sich die Villen der Neuzeit gut von der Seeseite aus erkunden. Pünktlich auf die Minute trifft das Atterseeschiff von Stern & Hafferl an der Anlegestelle Weyregg ein. Auf der „Gustav Klimt“ werden wir bei einem sommerlichen Frühstück an imposanten Villen vorbeigleiten. Der Atterseekenner Alwis Wiener stimmt uns Passagiere mit Informationen über den größten Binnensee Österreichs ein. Woher hat er seine besondere Farbe? „Es stammt von Armleuchteralgen. Diese enthalten Kalkplättchen, die das Licht reflektieren. Die Farbe reicht je nach Witterung von grün-blau bis türkis.“ Kein Wunder, dass sich da an einem Sommertag bis zu 50.000 Tagesgäste einfinden, die sich in vier Milliarden Liter reinem Trinkwasser vergnügen können.

Grafengut

Als erstes Baujuwel entdecken wir die Villa Faber, die vom Wiener Textilindustriellen Richard Faber im Jahr 1873 errichtet wurde. Heute ist sie im Eigentum der Unternehmerfamilie Kröpfl. Am Seeufer bei Nußdorf können wir die Anlage des kaiserlichen Gesandten, Malers und Schriftstellers Eugen Freiherr von Ransonnet-Villez bewundern. Der Adelige gilt auch als Begründer des Attersee-Tourismus. Er errichtete 1871 in Nußdorf direkt am See seine Prachtvilla, die heute „Grafengut“ heißt.

Ein verschlungenes Wegesystem und ein Bach führen durch den 13.000 Quadratmeter großen Park. Neben zahlreichen exotischen Bäumen, die der Diplomat von seinen Weltreisen durch Länder wie Palästina, Ägypten, Indien und Japan mitgebracht hat, beeindruckt besonders eine Riesen-Zeder. Sie hat einen Stammumfang von sieben Metern. Neben seiner diplomatischen Tätigkeit war Ransonnet auch als Forscher tätig. Er ließ sich eine Taucherglocke bauen, in der er die Pfahlbauten im See erforschte und Unterwasserskizzen für seine Gemälde anfertigte.

Auf unserer Rundfahrt folgt die Villa des ehemaligen Voest-Generaldirektors Wolfgang Eder, nicht weit entfernt davon die des ehemaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim. Alwis Wiener spannt einen Bogen über die vergangenen 130 Jahre: „Den vermögenden Villenbesitzern folgten Künstler wie Gustav Klimt, Gustav Mahler oder Friedrich Gulda, die den Attersee in ihren Werken verewigten. In den letzten Jahrzehnten gesellten sich neben Fabrikanten auch Topmanager dazu. Ebenso waren Politiker aller Couleur Sommergäste am See. So verbrachte Viktor Adler, der Begründer der Sozialdemokratischen Partei, mehrmals seine Sommerfrische in Nußdorf.“ Heute tun dies „Krone“-Eigentümer Michael Dichand oder die Familie der Batteriefabrikanten Bawart, an deren Domizilen wir ebenfalls vorbeigleiten. Schließlich gelangen wir nach Unterach. „Alle Villen standen auf Pfählen, da der Untergrund aus instabilem Flysch aus Ton und Sandstein besteht“, so Wiener. Bereits ab 1830 ließen sich Aristokraten mit Sänften von Bad Ischl hierher in ihre Villen tragen. Von 1907 bis 1950 fuhr sogar eine elektrische Straßenbahn bis nach Mondsee. Künstler wie Heinz Conrads und Georg Danzer waren Stammgäste.

August Horch, der spätere Gründer der Automarke Audi, arbeitete einige Monate als Schmied und Wagner hier. Immer wieder finden sich Bootshütten am See. Kleine Luken direkt an der Wasseroberfläche fallen auf. Der Experte kennt den Grund dafür: „Durch diese Luken konnten Nacktschwimmer unbeobachtet ins Wasser gleiten.“

Ein Juwel ist die Villa Jerizta, benannt nach der in der Zwischenkriegszeit weltberühmten Sängerin Maria Jeritza. In den Jahren 1888 und 1890 wohnte in der „Vorgänger-Villa“ Eckstein der Komponist Hugo Wolf. Heute ist sie im Eigentum der Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac.

Wir gelangen an das Südufer des Attersees. An dieser ruhigen Ecke stehen die größten Millionärsvillen aller Salzkammergutseen. Die Ausläufer des Höllengebirges bilden die Silhouette zu dieser exklusiven Gegend. Erhöht blicken wir auf den Berghof mit seinen burgartigen Zinnen, der im Besitz von Elisabeth Auersberg-Breunner ist. Sie ist die Tochter des verstorbenen Milliardärs Friedrich Karl Flick.

Das Waldschlössl

Dann treffen wir auf das Waldschlössl, das sich im Eigentum von Igor Schuwalow, dem Berater des russischen Präsidenten Putin, befindet. Gleich anschließend findet sich die prachtvolle Villa Campeau, die zuletzt im Eigentum des Unternehmers Gerhard Andlinger stand. Heutiger Eigentümer ist die Familie Turnauer. Auf der nächsten Halbinsel treffen wir auf das Anwesen der italienischen Milliardärsfamilie Perfetti. Die Süßwarenindustriellen sind Pferdefreunde und haben ihre Anlage mit einer Reithalle ausgestattet. Da wirkt die Villa des ehemaligen Skistars Hermann Mayer vergleichsweise bescheiden. Josef Leitner