Chronik | Oberösterreich
25.06.2017

Schlafstörungen zeitigen negative Folgen

Ärztin Sile Kranz warnt: "Schlafstörungen können der Gesundheit schaden".

Ich bin Ärztin und versuche so wenig Medikamente wie möglich zu verordnen. Für viele mag das wie ein "Aber"-Satz klingen – ich verstehe meinen Beruf so, dass ich die Menschen dabei unterstütze, sich auf natürliche Weise gesund zu halten beziehungsweise an Heilungsprozessen mitwirken.

Jeder Vierte betroffen

Zumindest jeder vierte Österreicher ist von Schlafstörungen betroffen. Dauern diese länger an, können Krankheiten entstehen und das Risiko für Herzinfarkte sowie Zuckerkrankheit ansteigen. Abgesehen davon fallen die Konzentrationsfähigkeit und die Stimmungslage in den Keller, das Verlangen nach Süßem durch die Übermüdung fördert Übergewicht. Gibt es eine Alternative zu Schlaftabletten? In speziellen Situationen werden durchaus solche Medikamente benötigt. Die meisten von uns möchten jedoch eine dauerhafte Therapie vermeiden und befürchten einen Gewöhnungseffekt.

Ich versuche die Menschen immer ganzheitlich zu betrachten, deswegen berücksichtige ich auch die psychische Verfassung. Sind Belastungsspitzen vorhanden, überwiegt Stress im Vergleich zu Entspannungsphasen, ist Entspannung gar nicht mehr möglich? Es gibt Methoden, um das nächtliche Kopfkino zu unterbrechen wie zum Beispiel autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Meditation.

Yoga und Training

Als Sportmedizinerin fallen mir natürlich auch einige Aktivitäten ein: Yoga, Tai-Chi, Qi Gong oder lockeres Ausdauertraining. Harte Trainingseinheiten schütten oft so viele Hormone aus, dass man trotz starker Müdigkeit nicht zur Ruhe findet, vor allem kurz vor dem Zubettgehen. Gleiches gilt für Saunabesuche. Grundsätzlich wirken sie stressreduzierend, spät abends jedoch häufig zu aktivierend.

Ernährung

Auch über die Ernährung können wir positiven Einfluss nehmen. Schwere große Mahlzeiten abends verhindern eine erholsame Nachtruhe, ebenso wie Hungergefühl oder ausgeprägter Alkoholkonsum. Ein "Zauberwirkstoff" ist das Tryptophan. Diese Aminosäure stellt eine Vorstufe zum Serotonin dar, auf welches in vielen Antidepressiva Einfluss genommen wird. Es hilft uns auch beim Einschlafen. In der Nahrung kommt es vor allem in Nüssen, Milchprodukten, Thunfisch und Kakao vor. Dies könnten wir bei der Wahl unserer letzten Mahlzeit oder unseres Schlummertrunks berücksichtigen. Zusätzlich kann man sich auch der Kraft der Kräuter bedienen. Vor allem Baldrian, Lavendel, Melisse, Passionsblume und Hopfen wirken beruhigend. Sie können als Tee konsumiert werden, in Apotheken finden sich Kombinationen in Tropfen- oder Tablettenform. Ich persönlich schätze auch ätherische Öle auf Schläfen und Kopfpolster.

Leiden Sie an Schlafstörungen? Nehmen Sie dieses Symptom ernst und lassen sich helfen!

Silke Kranz ist Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell und diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin