Chronik | Oberösterreich
18.03.2018

Salzhandel und Leinen sorgten für Wohlstand

Ottensheim an der Donau besaß 1228 dieselben Privilegien wie Linz und Enns.

Fröhlich in Ottensheim. Und das im doppelten Sinn. Wer mit dem Ottensheimer Original Franz Schinkinger den Ort erkundet, kommt immer wieder ins Schmunzeln und erfährt laufend etwas Neues. Und er bewegt sich auf den Spuren des Künstlers Fritz Fröhlich. Der nach diesem benannte Rundweg 6a beginnt an der über die Donau führenden Drahtseilfähre. Seit 800 Jahren funktioniert dieses wichtige Transportmittel nach Wilhering.

Die an einem Haus an der Donaulände angebrachten Hochwassermarken erinnern an das Jahrtausendhochwasser von 1501. Aber auch die letzte Überschwemmung von 2013 hat große Schäden verursacht.

Wir gehen auf dem Treppelweg flussaufwärts, auf demselben Weg, auf dem früher Pferde die Schiffe zogen. Vorbei geht es am prächtig auf einem Hügel thronenden Schloss. Der viereckige Burgfried soll schon zu Römerzeiten eine Limesbefestigung gewesen sein. Schließlich wird die Mündung der Rodl erreicht. Ein mächtiger Basaltstein – mit Schiffen aus Metall bestückt – erinnert an die lange Verbundenheit des Ortes mit den Wasserwegen Donau und Rodl. Im Rodlpark gucken Riesen-Betonröhren lustig zum Betrachter. Es sind hochkreativ gestaltete Hotelzimmer, in die es im Sommer regelmäßig sogar Damen aus England zum Urlauben zieht.

Wieder zurück in Richtung Ortszentrum passiert man den Friedhof. Die Toten – rund um eine Plastik des biblischen Hiob von Fritz Fröhlich liegend – hätten an diesem erhöhten Platz gute Aussicht auf die darunter fließenden Gewässer und die Hügel des Mühlviertels. Am Marktplatz angekommen erinnert das "Kindlhaus" an den vermeintlichen Namensgeber des Ortes. Hier soll nämlich im Jahr 1208 Kaiser Otto IV. geboren sein. Es stimmt sicher nicht, hat aber immerhin dem Ort den wohlklingenden Namen beschert, den es jetzt hat. Schinkinger erinnert an die Geschichte des Ortes: "Die ältesten Funde stammen aus der Jungsteinzeit. Reich geworden ist der Ort später durch Leinenverarbeitung und Salzhandel. Zum Zeitpunkt der Verleihung des Marktrechtes 1228 besaß Ottensheim die gleichen Privilegien wie Linz und Enns. Und er ist damit der älteste Markt des Mühlviertels."

Nach dem knapp einstündigen Rundweg wieder zurück an der Donaulände angekommen, erinnert sich Schinkinger bei einem ehemaligen Gasthaus an einen legendären Fleischhauer aus früherer Zeit. Der Koloss von 160 kg soll hier jeden Morgen 1/8 Fass Bier gekauft haben, immerhin 12,5 Liter. Bis zum Abend hat er diese Menge schon bis zum letzten halben Liter sicher in seinem Inneren verwahrt. Zum Glück war für Pferdefuhrwerke der Alkomat noch nicht erfunden.

Autor Josef Leitner ist Universitätslektor. Er besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Kultur und Natur.