Chronik | Oberösterreich
20.05.2018

Römerwellness an der Donauschlinge Schlögen

Landesausstellung. SPA – Sanus Per Aquam (gesund durch Wasser). Die römischen Soldaten erholten sich in Schlögen an einem höchst modernen Bad.

Dass die Römer einen ausgeprägten Sinn für Hygiene hatten, ist bekannt. Öffentliche Latrinen und unzählige Badeanstalten waren allen Bürgern zugänglich. Wer das heutige Schlögen anlässlich der Landesausstellung besucht, kann sich bestens in diese Zeit versetzen. Schon bei der Ankunft springt die Metallskulptur eines Römerkopfes ins Auge. Mit kühnem Blick begrüßt er die ankommenden Gäste.

Römisches Badehaus

Nur wenige Meter sind es bis zum antiken Badehaus. Der Grabungsleiter Wolfgang Klimesch freut sich, dass 180 Jahre archäologische Forschung an diesem Platz so gut dokumentiert sind: „Wir sehen im 14 Meter langen Badehaus das Kalt- sowie die etwas tieferen Warm- und Heißwasserbecken. Letztere wurden durch ein ausgeklügeltes Hypokausten-Heizsystem auf Betriebstemperatur gebracht. Mit Sicherheit ein Genuss für die 150 Soldaten und die Bewohner der kleinen Zivilsiedlung.“ Ein SPA im eigentlichen Wortsinn also. Die lateinischen Initialen „Sanus Per Aquam“ bedeuten schließlich gesund durch Wasser.

Noch vieles gibt es an diesem Ort zu entdecken. Mehrere Schautafeln und eine App informieren über weitere Besonderheiten. Dann aber lockt der nahe Höhenrücken, um einen Blick von oben auf die einmalige Donaulandschaft zu werfen. Eine Römerskulptur weist den Weg auf den dreistündigen Ciconia-Rundweg Nr. 60. Der Aussichtsplatz „Schlögener Donaublick“ ist wohl ein besonderer Höhepunkt.“ Ein Platz zum Genießen und Innehalten. Die Donau hat es hier nicht geschafft, den harten Granit zu durchschneiden und musste ihre Fließrichtung um 180 Grad ändern, so als wollte sie zu ihrem Ausgangspunkt zurückfließen. Der früher wilde Strom ist heute allerdings durch die Kraftwerke Jochenstein und Aschach gezähmt und friedlich.

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Schlögen

Eine Rekonstruktion des Römerbades mit Kalt-, Warm- und Heißwasserbecken (v. li.)

Schlögen

Ein idyllisches Bankerl oberhalb der Donau lädt erschöpfte Wanderer zum Verweilen ein

Der Schwarzstorch

Das Herz der Wanderer schlägt höher, wenn sie den Blick auf den die Donau umgebenden Höhenrücken richten. Den Namensgeber des Wanderweges, den Schwarzstorch Ciconia nigra, entdecken wir zwar nicht Er wird als das Juwel des oberen Donautales bezeichnet. Nur etwa zwanzig Brutpaare gibt es in ganz Oberösterreich. Aber dafür sehen wir eine grünschillernde Smaragdeidechse, die sich auf einem Baumstrunk sonnt. Auf einer nahen Wiese äst friedlich eine Reh-Mutter mit ihrem Kitz. Wahrlich ein idyllischer Moment. Auf dem weiteren Weg erläutern immer wieder Schautafeln die geologischen und botanischen Besonderheiten. Durch schattige Traubeneichen, die der Hirschkäfer zur Fortpflanzung benötigt, geht es zum nächsten markanten Ziel, den „Steiner Felsen“. Fast senkrecht blickt man auf das Wasser hinunter. Wieder laden Aussichtsbankerl zur Rast ein. Ein Sinnspruch regt zum Nachdenken an: „Hier nimm Platz und ruh’ Dich aus, betracht´ der Donau schönen Lauf. Wirfst Deinen Blick nach allen Seiten, siehst überall die Donauleithen.“

Auf der weiteren Wegstrecke geht es langsam wieder begab. Das einzige Geräusch, das zu hören ist, ist das leise Brummen eines Kreuzfahrtschiffs. Der Blick, den man von hier aus genießt, ist wieder von einmaliger Qualität. Man sieht auf beiden Seiten des Weges denselben Fluss, nämlich die Donau. Einmalig in ganz Österreich. Das geht so bis zur Landzunge des Örtchens Inzell. Von dort geht es am Treppelweg entlang des Flusses zurück.

Schon in Sichtweite von Schlögen lohnt noch ein interessanter Abstecher. Auf dem gegenüberliegenden Höhenrücken ragt die Burgruine Haichenbach aus dem Wald hervor. Eine Zille bringt den Wanderer ans andere Ufer in die Ortschaft Au. Ein halbstündiger Aufstieg führt zur höchsten Stelle des dicht bewaldeten Höhenrückens. Oben angekommen bietet sich ein unglaublicher Ausblick, zu beiden Seiten fließen die Donau und die Schiffe, unten noch beachtlich breite Fracht- oder Kreuzfahrtschiffe wirken wie kleine Spielzeugschiffe. Diese besondere Lage machten sich bereits ab etwa 1400 Raubritter zunutze, welche die seit 1160 erstmals urkundlich erwähnte Burg in ihren Besitz bekamen. Erst über 100 Jahre später fanden die Raubüberfälle ein Ende. Dass die Vertreibung der Raubritter nicht ganz ohne magische Kräfte vor sich gegangen ist, lässt sich denken. Dereinst wurde ein reicher Kaufmann von den Raubrittern gefangen genommen und trotz heftigen Bittens in das Burgverlies geworfen. Er konnte aber zuvor noch einen Kirschkern über die Zinnen spucken. Dieser entwickelte sich in den Jahren seiner Gefangenschaft zu einem stattlichen Kirschbaum. Als er die Mauern zu überragen begann, konnten ihn seine Befreier besteigen, so in die Burg eindringen und die Raubritter besiegen. Geduld brauchte man damals eben.

Nicht so heute, wo uns, wieder an der Donau angekommen, Fährmann Ernst rasch mit seiner Motorzille nebst einigen Radlern ans andere Ufer nach Schlögen übersetzt. Dann gibt es auf der Terrasse des Hotels Donauschlinge eine Stärkung. Das Hotel steht genau an der Stelle eines römischen Kleinkastells. Die Haibacher Tourismusexpertin Sabine Rathmayr erinnert an die alten Zeiten: „Direkt vor uns war der antike Hafen, in dem Waren wie die begehrte Keramik aus dem Rheingebiet von Schiffen auf Karren umgeladen wurden. Wendige Ruderschiffe begleiteten die Handelsschiffe und kontrollierten die unübersichtliche Schifffahrtsrinne.“ Hier befand sich schließlich der Limes, die Grenze des Römischen Reiches. Heute herrscht hier purer Friede.