Chronik | Oberösterreich
02.12.2018

Rieder wollen es jetzt doch wissen

Die Innviertler vom SV Ried haben ihr Saisonziel korrigiert: Der Titel soll her – Baumgartner soll das Feuer entfachen

Die SV Ried hat wieder einmal einen neuen Coach, inklusive diverser Interimslösungen den vierzehnten seit 2012. Gerald Baumgartner, der in den 1990ern schon als Spieler hier war, nimmt zu Jahresbeginn auf dem Schleudersitz Platz. Zugleich wird er Sportlicher Leiter sein, nachdem Fränky Schiemer aufgegeben hat.

Gesucht und gefunden habe man einen, der auf dem Markt war und der die beiden Funktionen schon einmal ausgeübt hat, begründet SVR-Geschäftsführer Roland Daxl die Entscheidung. Baumgartner (54) sei nicht nur Wunschkandidat des Präsidiums gewesen, sondern auch von externen Fußballweisen empfohlen worden. Und vor allem habe er bewiesen, „dass er in kürzester Zeit bei einem Verein Euphorie entfachen kann“.

Ob Baumgartner Feuer legen kann und wie lange es dann brennen wird, steht in den Sternen über dem Innviertel. Er hat einen Vertrag über eineinhalb Jahre, bis Sommer 2020. Selbst so kurz hat sich zuletzt in Ried kein Trainer gehalten. Andererseits haben die letzten sechs Engagements des Neo-Rieders Baumgartner (Pasching, St. Pölten, Austria Wien, Austria Salzburg, Mattersburg) jeweils genau ein Jahr gedauert.

Jetzt ist aber einmal Optimismus angesagt. „Sehr froh und sehr motiviert“ sei er, sagt Baumgartner. In der Mannschaft („guate Buam“) stecke viel Qualität und Potenzial. Auch im Verein, der ein Vorzeigeklub in der Bundesliga sei. Jetzt heiße es zusammenarbeiten. Strukturen analysieren. Eventuell in der Winterpause den Kader da oder dort verbessern. Nicht zurück, sondern nach vorne schauen. Aufbruch. Wir-Gefühl wieder stärken – was neue Trainer halt so sagen, wenn sie noch nicht wirklich das Sagen haben.

Eines immerhin ist klar: Das Saisonziel wird neu abgesteckt. Als im Vorjahr aufgrund der Liga-Reform die Rückkehr in die höchste Spielklasse leicht und nach allgemeiner Meinung im Verein und vor allem bei den Fans geradezu logisch war, habe die Mannschaft dem Druck nicht standgehalten, blickt Daxl zurück. Diese Last wollte man heuer den Spielern abnehmen. „Wir können aufsteigen, müssen nicht“, lautete die Devise.

Womöglich wurde zu tief gestapelt und es war für die Spieler zu wenig Motivation, als Ex-Erstligist den Titel nicht unbedingt anzustreben. Er wolle nicht alles umdrehen, sehr wohl aber durchstarten, sagt Baumgartner. Die Mannschaft habe es im Herbst sehr gut gemacht, 28 Punkte aus 15 Spielen seien eine gute Quote. Zwei andere Klubs, Wattens und Blau Weiß Linz, hätten eben hundert Prozent abgeliefert und lägen deswegen vorne. Die Liga sei jedoch sehr ausgeglichen, der Rückstand auf den Tabellenführer aufholbar. Dazu sollen gleich in den ersten Spielen im Frühjahr Punkte gutgemacht werden. Kurzum: „Jetzt geht alles in Richtung voller Angriff. Aufstieg ist das große Ziel.“ Einen Plan B gebe es für ihn nicht, versichert Baumgartner.

Vereinsboss Daxl hat bereits leicht Feuer gefangen. Er ergänzt die Saisonparole wenigstens um ein halbes Muss: „Wir wollen.“ Die neue Zuversicht nährt sich auch aus der Statistik: Nur einmal in den vergangenen fünf Jahren sei der Winterkönig auch Meister geworden.