© Rosenbauer

Chronik Oberösterreich
04/09/2021

Rekordumsatz für Rosenbauer

Feuerwehrausrüster Rosenbauer, Weltmarktführer bei Löschfahrzeugen, hat im Coronajahr 2020 einen Rekordumsatz sowie mehr Gewinn erzielt. Das Unternehmen ist auch für heuer optimistisch.

Ins neue Jahr ist man mit vollen Auftragsbüchern gestartet, erwartet ähnlich viel Umsatz und eine anhaltend gute operative Marge. Voriges Jahr lieferte man 2.238 Feuerwehrfahrzeuge aus - erstmals auch einige elektrisch betriebene. Für die elektrischen „RT“, die in Amsterdam, Berlin und Dubai als Vorserienfahrzeuge im Einsatz sind, brauche es noch drei, vier Jahre, bis die Kurve anspringen wird, sagte Rosenbauer-Chef Dieter Siegel am Freitag im Online-Bilanzpressegespräch.

Heuer werde man diese E-Fahrzeuge in niedriger zweistelliger Stückzahl zu bauen beginnen. Man hoffe, in zehn Jahren höhere E-Mobilitätsanteile zu erreichen. Kunden könnten dann auch Städte wie Los Angeles, Tokio, Peking, London, Berlin oder Wien sein. Der Weltmarkt für elektrische Feuerwehrautos könnte bis 2030 rund 3.000 Stück ausmachen. Aktuell verkaufen sich weltweit jährlich 20.000 Löschfahrzeuge. Fast vier Fünftel des Umsatzes - 2020 erstmals über eine Milliarde Euro - macht Rosenbauer mit Fahrzeugen, je 8 Prozent mit Ausrüstungen und Service. Bei den Fahrzeugen entfiel der größte Teil auf Kommunalfahrzeuge (42 Prozent), 15 Prozent auf Flughafen- und 14 Prozent auf Hubrettungsfahrzeuge.

Gute Marktdynamik

Im zweiten Halbjahr 2020 hat sich die Nachfrage nach Feuerwehrtechnik erholt, sodass man für heuer eine Seitwärtsbewegung der globalen Branche erwartet, die voriges Jahr sogar leicht gewachsen sein dürfte. Vor allem Europa und der Mittlere Osten sollten weiter wachsen können, sagte Siegel. Die Nachfrage in Nordamerika wird stabil erwartet. „Wir haben eine sehr gute Marktdynamik in den USA, der größte Markt der Welt bietet gutes Zukunftspotenzial für uns.“ Dort hofft der CEO am Mega-Konjunkturprogramm mitnaschen zu können, von dem 60 Mrd. Dollar (50,5 Mrd. Euro) Richtung E-Mobilitätsförderung gehen könnten.

Erhöhung des Ölpreises

Voriges Jahr büßte Rosenbauer in keiner Region Umsatz ein, überwiegend legte er spürbar zu - in Summe um 6,8 Prozent auf 1,044 Mrd. Euro. Vor allem im Mittleren Osten und Nordafrika (NEMA) sprangen die Erlöse an, um 55 Prozent auf 150 Mio. Euro. Die Nachfragestimulierung dort sei der Erholung des Ölpreises zu verdanken, meinte Siegel. Europa mit 363 Mio. Euro (+19 Prozent) und Nordamerika (261 Mio. Euro, +5,5 Prozent) würden ein „starkes Rückgrat“ darstellen. Nordamerika repräsentiert mit über 4.000 Fahrzeugen jährlich mehr als ein Fünftel des Weltmarktes.

China protektionistisch

Europa habe sich regional unterschiedlich entwickelt: In den D-A-CH-Ländern sei die Nachfrage weiter sehr stark, in Großbritannien, Frankreich und Spanien sehr verhalten gewesen. Die MOEL würden wieder anziehen. Asien sei ein großer Markt, aber - etwa in China - auch ein schwieriger. In öffentliche Ausschreibungen komme man immer schwerer hinein, „das Feuerwehrwesen in China wird zusehends protektionistisch betrieben“. Um gegenzusteuern hat man, unabhängig von der bestehenden Vertriebspartnerschaft, die Repräsentanz in Südchina in eine Tochter umgewandelt, sodass man dort selbst fakturieren kann. Die GmbH liegt in Kunming, wo sich die einzige Feuerwehroffiziersschule Chinas befindet.

Kein Verständnis für Impf-Privilegien

Zum Thema „Corona-Impfungen“ hat der Rosenbauer-Chef eine andere Meinung als manch anderer Firmenlenker. Er halte es für keine gute Entwicklung, dass sich „einige 100.000 Unternehmen“ eigene Impfkontingente besorgen, wenn sich 190 Länder weltweit ebenfalls darum bemühen würden. Da werde man „unterm Strich die Gesellschaft nicht geordneter durchimpfen können“, so der CEO: „Es ist viel wichtiger, dass die Gesellschaft eine hohe Durchimpfungsrate erreicht.“ Er „bewundere“ jede Firma, die das Risiko für einen Impfstoff und die möglichen Nebenwirkungen übernehme, meinte er sarkastisch, aber er sehe das „nicht als die Rolle von Unternehmen.“ Ja, in den USA seien an einzelnen Standorten von Rosenbauer „schon fast alle geimpft. Aber wir streben deshalb keinen Reisetourismus in die USA an.“

Gewinn gesteigert

Im Coronajahr 2020 hat Rosenbauer den Gewinn (Periodenergebnis) um 18,7 Prozent auf 41,1 Mio. Euro gesteigert und will die Dividende von 80 auf 1,50 Euro je Aktie anheben. Das operative Ergebnis (EBIT) wuchs von 51,9 Mio. auf 57,9 Mio. Euro und damit auf ein All-Time-High. Besonders gut gelaufen ist dabei das vierte Quartal, in dem allein die Hälfte des Jahres-EBIT erzielt wurde, vom Umsatz ein Drittel.

Guter Auftragsstand

Der Auftragseingang ging von 1,073 auf 1,009 Mrd. Euro zurück, der Auftragsstand lag mit 1,072 (1,150) Mrd. Euro aber weiter über dem Jahresumsatz. Der solide Auftragseingang stelle die hohe Auslastung in den Produktionsstätten im laufenden Jahr sicher, „man sieht aber die Verzögerungen bei den Ausschreibungen und den Aufträgen“, sagte Siegel. Von den Neuaufträgen kamen diesmal 40 (35) Prozent aus Europa, was die Bedeutung des Heimatkontinents für Rosenbauer unterstreicht.

Gestärkt aus der Krise heraus

Finanzvorstand Sebastian Wolf betonte, dass man aus der Coronakrise sogar gestärkt herausgehe. Es seien das Working Capital (Nettoumlaufvermögen) verbessert und die Bilanzsumme durch eine Reduktion der Kundenforderungen und Bestände gesenkt worden. Auch die Nettoverschuldung und die Schuldenquote (Gearing Ratio) habe man verbessert. Bei den Nachhaltigkeitszielen komme man ebenfalls voran: Zuletzt seien in der Produktion 66 Prozent des Verbrauchs mit Grünstrom bestritten worden (davon 5 Prozent aus eigener Erzeugung, vor allem PV), heuer sollen es 75 Prozent sein. Zudem habe man ab dem Jahr 2019 bei der Helmproduktion jährlich 100.000 m2 an Plastikfolien eingespart.

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