Die Zahl der Priesteramtskandidaten sinkt kontinuierlich

© honorarfrei / Diözese Linz

Chronik Oberösterreich
02/24/2019

Reformgeist als Hoffnung für die Diözese Linz

Der eingeschlagene „Zukunftsweg“ sorgt für rege Diskussionen. Der Priestermangel zwingt die Diözese zur Gründung neuer Strukturen.

von Michaela Greil

Bilder von Priesterweihen werden seltener. Damit Kirche für die Menschen in ihren Orten lebbar und lebendig bleibt, stellt sich die Diözese Linz einem größeren Reformprozess.

Seit mehr als einem Jahr wird viel Zeit und Energie in den „Zukunftsweg“ investiert, ein Prozess, der noch bis Ende dieses Jahres dauern wird. Gesucht wird laut Bischof Manfred Scheuer eine Strukturreform, „die nicht von Ängsten besetzt ist. Unser Ziel ist es, eine lebendige Kirche vor Ort zu stärken.“ Das neue Modell sei als Diskussionsgrundlage zu sehen. „Ich habe keine fertigen Lösungen und schon gar kein Rezept, weil Leben und Glauben anders funktioniert“, sagt Scheuer.

Modellvorschlag

Aufwühlend ist die Vorgehensweise. Die 487 bestehenden Pfarren sollen künftig „Pfarrgemeinden“ heißen. Durchschnittlich 14 davon bilden eine größere Einheit, die laut Modell nicht mehr „Dekanat“, sondern „Pfarre“ genannt wird. Statt der jetzigen 39 Dekanate soll es zukünftig 35 Pfarren geben.

Damit die Kirchengemeinschaft vor Ort weiterhin funktioniert, werden die vielerorts bereits existierenden „Seelsorgeteams“ flächendeckend in der gesamten Diözese eingesetzt. Vier Verantwortliche bilden pro Pfarrgemeinde ein Leitungsteam. Je einer ist für eine der vier Grundfunktionen der Kirche, „Verkündigung, Liturgie, Diakonie und Gemeinschaft“, zuständig. Für jede der 35 Pfarren ist ein leitender Pfarrer vorgesehen. Ihn unterstützt je ein Vorstand für pastorale und wirtschaftliche Angelegenheiten. Die weiters vorhandenen Priester sollen frei gespielt werden für die seelsorgliche Tätigkeit.

Ab 1600 Gläubigen pro Pfarrgemeinde können künftig hauptamtliche Seelsorger, zum Beispiel Pastoralassistenten, eingesetzt werden. Die schon jetzt bestehenden Pfarrgemeinderäte bleiben erhalten.

Gabriele Eder-Cakl, Pastoralamtsdirektorin und Leiterin des „Zukunftsweges“, hält fest, dass Kirche nur dann „nahe bei den Menschen“ sein kann, wenn Haupt- und Ehrenamtliche „das Miteinander stärken“. Vor allem im Bereich der Verwaltung soll Entlastung geschaffen werden. Alle in der Reformdiskussion eingehenden Wünsche und Anregungen werden berücksichtigt und mitgedacht, versprechen die Organisatoren.

Während in der Diözese noch über Details des neuen Modells diskutiert wird, gibt es auch Kritik. „Diese Reform geht auf Kosten der Menschen in den Pfarrgemeinden, die ehrenamtlich die Leitungsaufgaben übernehmen sollen“, sagt Johannes Frank aus Puchkirchen dem KURIER. Der Lehrer, der 14 Jahre lang in der Diözese gearbeitet hat, erkennt im „Zukunftsweg“ keine substanziellen Veränderungen. „Es werden nur die Gebiete vergrößert.“ Diese seien ohnehin schon zu groß für die wenigen Priester. Einer seiner Vorschläge: Pfarrgemeinden sollen in Abstimmung mit dem Bischof jemanden aus dem Volk zum Priester ernennen können. Ihm ist allerdings klar, dass das Kirchenrecht gegen diese Vorgangsweise noch massive Schranken bereit hält.

Aufbruchsstimmung

Ein vom KURIER eingeholtes Stimmungsbild in der Diözese zeigt allerdings auch auf, dass der Reformprozess positiv beurteilt wird und für eine Aufbruchsstimmung sorgt. „Die Menschen merken, endlich tut sich was, es kommt etwas in Bewegung. Das ist gut“, lobt Johann Holzinger, Propst des Stiftes St. Florian und Generalabt der Augustiner Chorherren. Er hofft, dass „die Reform weiterhin Richtung Hoffnung geht und die Menschen nicht überfordert“. Mit 45 Verantwortlichen aus Pfarrgemeinden und politischen Gemeinden hat er beim „Resonanztreffen“ Anfang Februar über die Reform diskutiert. „Was am Ende herauskommt, weiß man jetzt noch nicht“, erklärt der Propst. Christian Zoidl, noch Dechant in Linz-Mitte und zugleich auch Pfarrer in Linz, analysiert den Diskussionsstand so: „Wir sind überrascht bis positiv angetan vom Umfang der Reform.“

Ein Hauptproblem in der Diözese ist der Priestermangel. „Dass die Priester für die Seelsorge frei gespielt werden, kommt der derzeitigen Situation und dem hohen Altersschnitt der Priester entgegen“, bestätigt Propst Holzinger. Das Loslassen von Gewohnheiten beim Führen der derzeitigen Pfarrgemeinschaften sei nicht einfach. Er ist optimistisch, dass im Zuge der Reform „Menschen, die auf Distanz zur Kirche sind, wieder hinzu kommen“.

Das neue Modell bedeute mehr Freiheit für die Pfarrgemeinden, ist der Augustiner Chorherr überzeugt. So sieht er auch Chancen für das eigene Stift St. Florian und für die Ordensgemeinschaften allgemein. Das Seelsorgerische soll wieder ins Zentrum ihrer Arbeit rücken.

Überalterung

Die Überalterung der geistlichen Herren sieht auch Dechant Zoidl als ein Problem. „In fünf Jahren verschärft sich die Situation noch einmal. Wir hoffen, dass möglichst lange Priester in den Seelsorgeteams sind, damit die Sakramente gespendet werden können.“ Ein Übergang auf sogenannte Laien liege dennoch auf der Hand. Mit dem neuen Modell sollen auch Frauen mehr Platz bekommen. „Wir erwarten uns mehr Nachdruck von den Bischöfen zugunsten der Frauen. Die Basis wäre bereit. Aber es liegt an Rom“, sagt der Linzer Dechant.

Bischof Scheuer fordert ein „Ringen um Lösungsvorschläge“ in Einheit mit der Gesamtkirche. Die an ihn herangetragenen Wünsche aus seiner Diözese um Veränderung bei den Zulassungsbedingungen zu Weiheämtern übermittelte er im November in einem Brief an Papst Franziskus.

Der Diskussionsstoff geht der Diözese also nicht so schnell aus. Viele Detailfragen und damit verbunden auch Sorgen sind noch offen: Wer hat welche Kompetenzen und wie können sie bestmöglich eingesetzt werden? Finden sich genug Pfarrer, die größere Einheiten leiten können? Werden sie gut zusammenarbeiten? Wird man genügend kompetentes Personal für Leitungsaufgaben, etwa in den Seelsorgeteams, finden? Wer bezahlt die zusätzlichen Beschäftigten in der Verwaltung?

Jugendarbeit

Eine Hauptsorge ist auch, ob sich genug Menschen finden, die sich vor Ort für die Gemeinschaft engagieren. Welche Auswirkungen die Reform etwa auf die Jugendarbeit hat, kann Klemens Hager noch nicht beantworten. Er leitet die Linzer Jugendkirche „Grüner Anker“. „Wir arbeiten heute schon über die Dekanatsgrenzen hinweg zusammen“, sagt er. Die bislang bekannten Strukturen des „Zukunftsweges“ hält er für besser geeignet, die Herausforderungen zu meistern, als die derzeitigen Organisationsformen. „Aber die Pfarrgemeinden werden mehr zusammenarbeiten müssen.“

Wichtig wird für die Jugendlichen in den Pfarrgemeinden sein, „die dortige Jugendarbeit zu erhalten, damit sie nicht allzu weite Wege haben“, meint Hager. Im März soll es ein Treffen der Jugendbeauftragten geben, um über die Reform zu diskutieren. Denn viele von ihnen waren bisher auf Ebene der Dekanate tätig, die es künftig nicht mehr geben wird.

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