Chronik | Oberösterreich
01.04.2018

Raus an die frische Luft!

Frohe Ostern! Während Sie diese Zeilen lesen und hoffentlich Ihr Osterfrühstück mit Ihren Lieben genießen, sitze auch ich mit hoher Wahrscheinlichkeit an einem Esstisch.

Frohe Ostern! Während Sie diese Zeilen lesen und hoffentlich Ihr Osterfrühstück mit Ihren Lieben genießen, sitze auch ich mit hoher Wahrscheinlichkeit an einem Esstisch. Allerdings in der Steiermark. Manchmal nehme ich „meine“ Mühlviertler aufs Korn und ziehe sie mit ihrer deftigen Hausmannskost auf.

Weihfleisch

Betone, dass wir Steirer ja südlich von Oberösterreich gelegen sind und unsere typischen Gerichte als „leichte, mediterrane Kost“ durchgehen. Aber zu Ostern könnt Ihr Oberösterreicher uns Steirern das Wasser nicht reichen! Ähnlich wie zu Weihnachten gibt es zu Ostern einen Wettstreit um die meisten Stücke Osterfleisch – Weihfleisch genannt. Am Nachmittag des Karsamstag gehen wirklich alle, also auch all jene, die das ganze Jahr über nie in die Kirche gehen, zur Fleischweihe.

Nebenbei bemerkt wirft man auch hier (ver-) urteilende Blicke auf die Osterkörbe gefüllt mit Köstlichkeiten. Wer ohne im Kreuzstich handbestickte Stoffserviette auftaucht, die den Korb bedeckt, erntet nur Kopfschütteln. Weiht der Pfarrer das Fleisch, halten alle ihre Leckerbissen in die Höhe, um zumindest einen Tropfen Weihwasser zu ergattern, und dann geht es ab nach Hause.

Je nach Geduld der Familienmitglieder wird dann noch bis nach der Auferstehungsmesse gewartet, bis Ostern mit einem festlichen Mahl richtig gefeiert werden kann. In unserer Familie bedeutet das, dass wir nach der Fleischweihe beinahe nach Hause laufen und Ostern augenblicklich mit Jause und Nesterlsuche eröffnen.

Bratl und Osterbock

Der Esstisch biegt sich beinahe unter dem Gewicht der Köstlichkeiten: Geselchtes, Lendbratl, Hartwürste, Eier, süße Osterpinze und natürlich frisch geriebener Kren. Ist der Meerrettich in unverarbeitetem Zustand geruchlos, so werden durch das Reiben Stoffe freigesetzt, die uns die Tränen in die Augen treiben können. Diese Senföle besitzen antivirale Wirkung und können uns beim drohenden letzten Wintereinbruch noch einmal vor Infekten schützen. Zusammen mit dem hohen Gehalt an Vitamin C, diversen B-Vitaminen und Magnesium sowie Kalium ist der Kren ein wirksamer Radikalfänger.

Kren gegen Völlerei

Meine persönliche Theorie, warum Kren gemeinsam mit den österlichen Cholesterinbomben gereicht wird, ist jedoch, dass unsere Vorfahren sich vor etwas anderem schützen wollten – nämlich vor den Folgen des Schlemmens. Kren wird in der Kräuterheilkunde bei Gicht und rheumatischen Beschwerden eingesetzt. So wurde versucht, Bratl, Osterbock und Co unschädlich zu machen. Weiters regt die Wurzel die Absonderung des Gallensaftes an, was wiederum günstig für die Fettverdauung ist. Mit Kren können Sie also zumindest Teile Ihrer vermeintlichen Völlerei neutralisieren.

Wenn ich Ihnen noch einen Tipp geben darf: Ein Verdauungsspaziergang tut auch sehr gut. Verstecken Sie die Osternester doch einfach außerhalb Ihrer Sichtweite!

Osterhasen am Gipfel

Oder Sie machen es wie ich und verstecken gemeinsam mit Ihrer Familie die Schokoosterhasen auf dem Gipfel eines Berges. Das wirkt appetitanregend, erheiternd und verkürzt die Zeit, die wir sitzend verbringen. Was hören Sie am häufigsten als Beschwerde nach Familienfesten? Das viele Sitzen macht niemanden glücklich. Also, raus an die frische Luft und viel Spaß beim Osternest suchen!