Die Familie Gattermaier-Panhuber

© Apfelwerkstatt

Chronik Oberösterreich
03/12/2021

Qualität fällt nicht vom Baum

Die „Apfelwerkstatt“ macht biologische Säfte und Essig in allerlei Variationen. Von Gerhard Marschall.

„Das ist eine spannende Geschichte“, erinnert sich Johann Gattermaier an den Einstieg in den Obstanbau. Das war 1980. Er und seine Frau Hildegard hatten den Bauernhof in Hellwagen in der Gemeinde Zell an der Pram (Bezirk Schärding) übernommen, die Milchwirtschaft erschien ihnen nicht zukunftsträchtig. Was mit einigen Apfelbäumen klein und eher nebenher begann, nennt sich heute „Apfelwerkstatt“.

Das Sortiment erweitert

Rund 180 agrarische Direktvermarkter werden in der vor Kurzem aufgelegten Broschüre „Wie’s Innviertel schmeckt“ vorgestellt. Die Erzeuger alkoholfreier Getränke stellt die größte Gruppe, der Biobetrieb Gattermaier ist einer von ihnen. Am Anfang wurde hier hauptsächlich Apfelsaft produziert. Nach und nach wurde das Sortiment erweitert, eine Presse und eine Abfüllanlage wurden angeschafft. Neben Apfel naturtrüb gibt es diverse Mischsäfte: Holunder, Zwetschke, Birne, Brombeere, Johannisbeere. Der Ertrag ist unterschiedlich, schwankt je nach Witterung. Auch müssen sich die Bäume immer wieder erholen. Auf ein gutes Jahr folgt deshalb in der Regel ein schwächeres. 2020 war ein gutes.

Bienen sind wichtig

Der Erfolg fällt freilich nicht von den Bäumen, sondern erfordert viel Arbeit – vom Baumschnitt im Winter über die Ernte im Frühsommer bis zu Düngung im Herbst. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel werden nicht eingesetzt. „Wenn der Baum gesund ist, kann er sich wehren“, erklärt Gattermaier. Bienen sind klarerweise wichtig. Vögel auch, sie kümmern sich um die Insekten. An die 300 Häuschen hängen deswegen in den Bäumen.

Schwiegersohn Andreas Panhuber (43) arbeitet seit 2014 im Familienbetrieb mit. Einige Jahre habe er sich intensiv mit dem Thema Essig beschäftigt, erzählt er: „Wenn man naturbelassen und marktkonform produzieren will, geht das nur professionell.“ Die Herausforderung: Der Essig wird nicht pasteurisiert, dennoch muss gewährleistet sein, dass er lang lagern und reifen kann. „Seit zwei Jahren sind wir mit dem „s’ig“-Essig auf dem Markt, die Nachfrage ist groß“, sagt Panhuber.

Streuobstwiesen

Mittlerweile hat er eine weitere Gesellschaft gegründet. Ihr Ziel ist, Gleichgesinnte zu vernetzen und deren Steuobstwiesen-Produkte gemeinsam zu vermarkten. „Die Erhaltung Streuobstwiesen steht für uns im Mittelpunkt“, erklärt Panhuber: „Selbstverständlich wollen wir von unseren Produkten leben, aber tatsächlich machen wir Naturschutz.“ Rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten beherbergt eine solche Wiese, Biodiversität lautet die Devise.

Dreimal im Jahr wird gemäht, rund um die Bäume händisch. Gras, Heu und Grummet werden an Schafe und Pferde verfüttert, die Mist produzieren, der zu Kompost für die Düngung verarbeitet wird. Somit ist die biologische Kreislaufwirtschaft geschlossen. Allmählich erwacht alles Leben wieder. Anfang bis Mitte Mai werden die mehr als 1.000 Apfelbäume blühen, die Obstwiese wird dann zur Augenweide.

110-kV-Leitung geplant

„Das Blöde ist, dass es so lange dauert“, blickt Johann Gattermaier zurück. Jetzt komme man in die Ertragslage. Umso mehr schmerze, dass über den Betrieb eine 110-kv-Leitung gespannt werden soll, 5G-Sender auf den Masten sollen ebenfalls erlaubt sein. „Das ist für uns eine Katastrophe“, klagt der 65-jährige Obstbauer. Das mit viel Sorgfalt und Mühe aufgebaute und gepflegte Öko-System drohe aus dem Gleichgewicht zu geraten.

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