Chronik | Oberösterreich
28.10.2018

Plastikmüll in Stuhlproben

Studie. Die langfristigen Auswirkungen auf den Menschen sind noch nicht absehbar

Lange habe ich überlegt, ob ich das Thema wirklich aufgreifen soll. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden, denn so unappetitlich und angsteinflößend es auch ist, wir müssen oft genug damit konfrontiert werden, damit wir umdenken. Österreichische Forscher konnten in einer kleinen Studie Mikroplastik in Stuhlproben nachweisen.

Plastik im Tierblut

Vorerst konnte nur diese Tatsache festgestellt werden. Obwohl bei Untersuchungen mit Tieren gezeigt werden konnte, dass sich das Mikroplastik nicht nur im Magen-Darm-Trakt, sondern auch in Blut, Lymphe und Leber fand. Die Auswirkungen, vor allem langfristig, auf die Gesundheit, sind noch nicht abschätzbar, dafür werden noch weitere Studien mit einer größeren Probandenanzahl benötigt.

Zugemüllter Körper

Ich lehne mich jetzt einmal ganz bewusst und völlig unwissenschaftlich weit aus dem Fenster. Wir sehen, was der Plastikmüll mit unseren Meeren und dem Boden, damit verbunden auch mit der Tierwelt, anrichtet. Auch das Klima wird dadurch beeinflusst. Was denken Sie, spielt sich dann in einem kleineren Kosmos, zum Beispiel dem menschlichen Körper, ab, wenn er mit Plastik zugemüllt wird? Wie oft habe ich schon über Verdauungsprobleme und Unverträglichkeiten geschrieben?

Darmkrebs -Zunahme

Gerade gestern habe ich einen Beitrag über die Zunahme von Darmkrebs bei jüngeren Menschen im Radio gehört. Wie gesagt, ein Zusammenhang wurde bisher noch nicht nachgewiesen. Allerdings kann meine Logik diesen nicht ausschließen, wenn durchschnittlich zwanzig Plastikteilchen mit einer Größe von bis zu fünf Millimetern in zehn Gramm Stuhl gefunden wurden.

Die vorherrschenden Plastikarten waren übrigens Polypropylen, welches in Verpackungen vorkommt, und PET. Wir können nicht den ganzen Plastik-Abfall selbst steuern, so zum Beispiel den Gummi-Abrieb von Autoreifen, der in die Umwelt gelangt. Das Plastik, das wir über PET-Flaschen aufnehmen, können wir jedoch schon einmal auf alle Fälle einsparen.

Dr. Silke Kranz ist Sport- und Ernährungsmedizinerin in Bad Zell.

Ja zu Glasflaschen

Es gibt immer mehr Produkte in Flaschen zu kaufen, ich finde es wunderbar, dass es wieder Milchflaschen gibt. Mineralwasser kann man sich selbst sprudeln oder ebenfalls in Glasflaschen kaufen. Und Limonaden sind ohnehin ungesund, selbstgemachter Holundersaft schmeckt bei weitem besser. Was die Verpackungen betrifft, kann man auch seinen Beitrag leisten. Ich kaufe gerne in einem Bio-Laden in Tragwein ein, wo die Kunden mit ihren eigenen Behältnissen hingehen und sich Schinken, Käse und ähnliches gleich in ihre eigenen Aufbewahrungsdosen portionieren lassen. Würden wir das alle machen, stellen Sie sich vor, was wir an Plastik einsparen würden!

Keine Kügelchen

Welchen Einfluss Kosmetik- und Hygieneartikel auf das Mikroplastik im Stuhl haben, ist noch nicht ganz geklärt. Ich persönlich verwende Zahnpasta mit den kleinen Kügelchen nicht mehr, seit ich eine Dokumentation über das Leid der Meerestiere durch diese gesehen habe. Gleich verhält es sich mit Körper- und Gesichtspeelings. Aber auch hier gibt es Alternativen wie grobes Meersalz oder Kaffeesatz.

Umsteigen

Da also weder Schönheit noch Körperhygiene leiden müssen, steigen wir doch bitte einfach alle um! Selbst, wenn bewiesen werden sollte, dass das Mikroplastik in unserem Körper nicht gefährlich ist, tun wir uns, unseren Kindern und unserer Umwelt etwas Gutes, wenn wir Plastik vermeiden, wo immer es uns möglich ist.

Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell