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Chronik | Oberösterreich
03/17/2019

Pflanzen, pflegen, ernten – und dabei Freunde finden

50 Kilo Biogemüse wirft eine kleine Parzelle ab – urbanes Werkeln für alle, die keinen eigenen Garten haben.

„Jeder kann sich drübertrauen, egal ob grüner Daumen oder nicht. Egal, ob kompletter Anfänger oder Hobbygärtner.“ Raimund Berghahn weiß, wovon er spricht. Der 58-Jährige Leondinger wird heuer zum vierten Mal eine Parzelle der Morgentau-Gärten bewirtschaften und selbst gezogenes Bio-Gemüse mit dem Fahrrad nach Hause transportieren.

15 Morgentau-Felder gibt es mittlerweile mitten in den Städten Linz, Wels, Steyr, Enns, Leonding und Traun – alle mit Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Es werden Flächen in der Größe von 20, 40 und 60 vorparzelliert, die Böden professionell aufbereitet und mit Bio-Gemüse bepflanzt. Dazu gibt es begleitend das Wissen der Gartenprofis vor Ort, Werkzeuge und Gießwasser. An gemeinsamen Pflanztagen werden die Kulturen eingesetzt, danach geht es an die Pflege und schließlich ans Ernten.

Nachbarschaftshilfe

„Ich verbringe drei Mal pro Woche eine halbe Stunde im Garten, pflege die Pflanzen und rede mit den Menschen rundum. Da haben sich wirklich schon Freundschaften entwickelt und man hilft sich dann gegenseitig, wenn mal jemand auf Urlaub oder krank ist“, sagt Berghahn. Ein Kürbis von der Vorjahresernte steht noch in der Küche, bis vor kurzem waren auch noch Kartoffeln, Rüben und Zwiebel da: „Ich bringe das Gemüse im Anhänger mit meinem Radl heim und meine Frau verkocht es dann. So haben wir immer saisonale, biologische und erntefrische Produkte auf dem Teller – die noch dazu herrlich schmecken!“

Dem Gemüse beim Wachsen zuzusehen, das sei eine besondere Freude, sagt Raimund Berghahn.

Wer ist denn im Stadtgarten unterwegs? „Ältere, Jüngere, viele Familien mit Kindern – auf den Feldern sind viele verschiedene Menschen vertreten. Manche kommen ins Gespräch, vernetzen sich und werden Freunde. Das ist echt leiwand, ich möchte das nicht mehr missen.“

Berghahn ist zwar mehrmals pro Woche in „seinem“ Garten, es reicht aber auch, ein Mal wöchentlich eine halbe Stunde lang die anfallenden Arbeiten zu erledigen.

Die Morgentau-Gärten sind Österreichs größtes urbanes Bio-Selbsternteprojekt, gegründet von Christian Stadler, Biopionier der ersten Stunde. Die Idee dahinter: Menschen ohne eigenen Grundbesitz sollen die Möglichkeit haben, in urbanem Umfeld biologisch zu gärtnern.

Dass selbst gezogenes Bio-Gemüse im Trend ist, zeigt auch die Nachfrage nach den Parzellen: Das Interesse wird immer größer, die Standorte vermehren sich ebenfalls. Das Morgentau-Team ist ständig auf der Suche nach passenden Feldern für das Projekt.

Wer sich selber als Gärtner versuchen mag, kann sich für die kommende Saison noch eine Parzelle buchen, bei Info-Veranstaltungen (Linz: 18.3., 19 Uhr, LFI Linz , kleiner Saal. 21.3., 19 Uhr, Bildungshaus St. Magdalena. Steyr/Enns: 25. 3., 19 Uhr, Hotel Minichmayr in Steyr, Auskünfte auch am Gartentelefon:  0676/580 19 20) können Fragen gestellt werden. Eine Standard-Parzelle kostet pro Saison einmalig 157 Euro. Grüner Daumen hoch!

www.morgentaugaerten.at