Der historische Perger Sandsteinbruch

© Josef Leitner

Chronik Oberösterreich
12/16/2018

Perger Mühlsteine für ganz Europa

Von den Spuren der Mühlsteinhauer in den größten Erdstall des Mühlviertels in Perg

Ganz ruhig liegt das nördlich des Perger Stadtzentrums auf einer Anhöhe gelegene ehemalige Gelände eines Steinbruchs. Nichts ist mehr zu hören vom lauten Klopfen der Mühlsteinhauer, die hier über Jahrhunderte den Sandstein für die Mühlen aus den Felsen herausgehauen haben. Der ehemalige Schuldirektor und Obmann des Heimat- und Museumsvereins, Franz Moser, öffnet die eiserne Türe, die den Weg zu den Resten des ehemaligen Steinbruchs freigibt. Der Rohling eines herausgehauenen Mühlsteines und mehrere nur noch leicht angearbeitete Steine sind zu sehen.

30 Mio. Jahre alt

Moser beschreibt die Verarbeitung: „Die Rohlinge wurden zur Feinbearbeitung zu den Steinmetzen gebracht. Diese formten saubere Flächen sowie die für die Zerkleinerung des Getreides erforderlichen Mahlbahnen.“ Als Laie fragt man sich, was den Perger Sandstein besonders auszeichnet? Moser: „Es handelt sich um einen sehr harten, körnigen Sandstein, verkittet durch Kalkspat. Dieses Sedimentgestein ist in der Tertiärzeit vor ca. 30 Millionen Jahren entstanden und eignet sich hervorragend für Mühlsteine.“

Privileg

Wie wichtig diese Tradition war, zeigt, dass Kaiser Rudolf II. den Perger Mühlsteinbrechern im Jahr 1582 ihre Handwerksordnung in einer „Privilegium-Urkunde“ bestätigen ließ. So verdankte der Markt Perg vor allem dieser Industrie seine Blütezeit. Jahrhunderte lang wurden jährlich mehrere tausend Mühlsteine produziert und zum Großteil auf Donauschiffen weitertransportiert und in ganz Mitteleuropa vertrieben. Die Zunft der Perger Mühlsteinbrecher-Meister umfasste im 18. Jahrhundert zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia 40 Bürger samt ihren Gehilfen. Dass diese wohlhabend waren, zeigt der Perger Spruch: „Die Mühlsteinbrecher können mit den Dukaten in der Tasche klimpern.“

Auch die 80 Mühlen an der den Ort durchfließenden, 60 Kilometer langen Naarn waren ebenfalls Kunden. Die „Privilegierte Mühlstein Handelskompanie“ betrieb zudem zehn Lagerstätten an der Donau zwischen Linz und Fischamend. Erst im 19. Jahrhundert begann infolge technologischer Veränderungen und verbesserter Transportwege der Niedergang der Mühlsteinindustrie. Der letzte Mühlstein wurde 1930 in diesem Steinbruch gehauen.

Größter Erdstall

So denken wir voller Respekt an die großartige handwerkliche Leistung, die hier in früherer Zeit erbracht wurde und verlassen den in winterlicher Ruhe liegenden Ort. Wir folgen dem P4-Naturfreundeweg, den wir bereits vom Ortszentrum hierher gegangen sind, wieder zurück und zweigen bei der Markierung „ Erdstall Radgöbluckn“ ab. Ein wahrlich mystischer Ort erwartet uns: Der größte Erdstall im Mühlviertel. Die Bezeichnung Erdstall ist etwas irreführend. Das unterirdische Höhlensystem wurde nicht aus Erde, sondern aus Sandstein herausgehauen. Und es ist auch nicht erwiesen, dass es ausschließlich als Stall gedient hat.

Über 100 Meter folgen wir durch ein stark verzweigtes Gangsystem, das wahrscheinlich um das Jahr 1000 angelegt und immer wieder erweitert wurde. Mehrere größere Kammern werden durchquert. Hier haben – so vermuten die Forscher – die Menschen aus der ganzen Region im Mittelalter Schutz gesucht. Bizarre Felsformationen erinnern an alte Märchenfilme. Die zur Winterszeit warm empfundene Temperatur von zehn Grad bleibt das ganze Jahr konstant. Auch wenn es hier drinnen trocken und auch gut durchlüftet ist, freuen wir uns wieder über das Tageslicht und genießen den Blick auf das Perger Stadtzentrum mit der markanten Wehrkirche.

Besichtigung mit Führung : 0650/5427786 oder 07262/52387.

Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Natur und Kultur.

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