Chronik | Oberösterreich
09.09.2018

Neue Rieder Bescheidenheit

SV Ried. Beim Zweitliga-Spitzenreiter wird tiefgestapelt. Man will von Favoritenrolle nichts wissen wissen

Der Start in die neue Saison ist geglückt. Zur Länderspielpause liegt die SV Ried in der zweiten Liga auf Platz 1. „Sehr zufrieden“ sei man, sagt Manger Fränky Schiemer, um aber sogleich zu relativieren: „Die Saison ist noch lang. Wir bleiben weiterhin auf dem Boden der Realität.“

Die Favoritenrolle schiebt Schiemer elegant zu WSG Swarovski Wattens hinüber. Die Tiroler hätten sich enorm verstärkt, „die wollen es wissen“. Auch andere Klubs hätten extrem aufgerüstet und zudem budgetär aufgeschlossen, nachdem die SVR deutlich abspecken musste. Gegenüber der Vorsaison steht etwa ein Drittel weniger Geld zur Verfügung. Allein der Entfall der TV-Gelder schlägt sich mit rund 500.000 € negativ zu Buche.

Verpatztes Frühjahr

Die neue Bescheidenheit ist Konsequenz aus der desaströsen Frühjahrssaison. Zur Winterpause noch Spitzenreiter, verpassten die Rieder den sofortigen Wiederaufstieg, der aufgrund der Liga-Reform so leicht gewesen wäre wie nie. Der Zorn der Fans entlud sich nicht nur auf die Spieler, sondern vor allem auch auf Vereinsvorstand und Manager. „Natürlich ist das nicht klass, aber ich habe es verstanden“, sagt Schiemer rückblickend. Schließlich wollten die Fans auch nur das Beste. Und er sei ebenfalls stinksauer gewesen. Es sei allerdings auch nicht alles schlecht gewesen, „immerhin haben wir die meisten Tore geschossen“. Mittlerweile sei der Friede im schwarz-grünen Haus wieder hergestellt, ist Schiemer überzeugt. Mit jeweils mehr als 3.000 Zuschauern bei den ersten Heimspielen liege man klar über dem kalkulierten Schnitt. Und die Stimmung im Stadion sei ausgezeichnet gewesen. Im Kader gab es keinen großen Umbruch. Zwei Torhüter und sechs Feldspieler wurden geholt, um die zum Teil prominenten Abgänge (Gebauer, Chabbi, Fröschl) zu kompensieren. Die Hierarchie im Team habe sich verändert, sagt Schiemer: „Im Vorjahr war fast jede Position doppelt besetzt, was vielleicht sogar zu viel war und zu einem übermäßigen Konkurrenzkampf führte.“ Heuer stünden hinter einigen erfahreneren Spielern viele Junge, die auf sich aufmerksam machen möchten.

Neue Erkenntnisse

In die Analyse der verkorksten Vorsaison sind auch die zentralen Erkenntnisse aus der WM eingeflossen, berichtet Schiemer. Erstens: die Wichtigkeit von Standardsituationen. „ Hartberg hat uns vorgezeigt, wie es geht.“ Daran werde konkret gearbeitet. Defensiv sei man bereits stabiler, offensiv gebe es noch Verbesserungspotenzial.

Zweitens: Hochgeschwindigkeitsfußball à la Frankreich. Benötigt werden zunehmend schnelle Spieler, die mit Speed nach vorne agieren können. Schließlich wagt sich Manager Schiemer dann doch aus der Deckung, wenn er über die nähere Zukunft des Klubs spricht: „Sicher gehört die SV Ried alleine aufgrund ihrer infrastrukturellen Voraussetzungen in die Bundesliga.“ Aber – neue Bescheidenheit: „Es muss nicht um jeden Preis in dieser Saison sein.“ Auch zweitklassig sei der Profibetrieb auf Sicht gesichert.