Chronik | Oberösterreich
08.04.2018

Neu: Ärztefon als erste Anlaufstelle

Schweiz. Die Telefonauskunft ist für Patienten sieben Tage die Woche rund um die Uhr erreichbar

Ohne Gesundheit ist alles nichts. Selbst eine kleine Hautabschürfung, ein verstauchter Knöchel oder leichtes Fieber bei einem Kind können das subjektive Wohlbefinden schwer beeinträchtigen. Rasche Hilfe gerade zu Tagesrandzeiten oder in der Nacht ist hier notwendig. Im Schweizer Kanton Zürich rufen die Menschen in diesen Fällen das „ Ärztefon“ an. Eine Delegation von Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander und gesundheitspolitischen Verantwortungsträgern aus Oberösterreich machte sich davon ein persönliches Bild und besuchte die Ärztefon-Zentrale „Schutz und Rettung“, die am Flughafen Zürich stationiert ist.

Entlastung

Deren Leiter Hans Peter Fehr erklärte den Oberösterreichern die Funktionsweise: „Speziell ausgebildetes Personal ist rund um die Uhr sieben Tage die Woche erreichbar. In sorgfältigen Gesprächen wird geklärt, welche medizinische Maßnahme für den Patienten sinnvoll und notwendig ist. In 30 Prozent der Fälle kann bereits in diesem Beratungsgespräch das Anliegen geklärt werden. Oder die Lösung lautet, am nächsten Morgen den Hausarzt oder die nächstgelegene Apotheke aufzusuchen. In den anderen Fällen organisiert ein Rettungssanitäter den Transport ins Spital. Nur in ganz wenigen schweren Fällen ist der Einsatz eines Notarztes nötig.“ Für Fehr ist der große Vorteil des „Ärztefons“: „Bei einfachen medizinischen Fällen werden nicht mehr die Notfallambulanzen der Spitäler aufgesucht. Diese Institutionen sollen dadurch entlastet werden und können ihre Kapazitäten für Notfälle einsetzen.“

Der seit einigen Jahren in Oberösterreich eingerichtete „Hausärztliche Notdienst HÄND“ ist bereits eine Vorstufe des „Ärztefons“. Landesrätin Haberlander: „Wer außerhalb der üblichen Ordinationszeiten, abends oder am Wochenende seinen Hausarzt nicht erreicht, kann sich unter der Rufnummer 141 medizinische Hilfe holen. Dieser Dienst wird in Zusammenarbeit zwischen Gebietskrankenkasse, Ärztekammer und dem Roten Kreuz angeboten. Noch in diesem Jahr soll eine erweiterte telefonische Beratung rund um die Uhr angeboten werden.“

Die Notwendigkeit dieser Art von medizinischer Betreuung bestätigt auch Josef Widler, der Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich: „Das Gesundheitswissen in den Familien nimmt ab. Die Großmutter, die für jedes Wehweh ein Heilkraut kannte, gibt es immer seltener.“ Also gilt es, neue Lösungen zu finden.

Hauptbahnhof

Eine andere bemerkenswerte medizinische Einrichtung findet sich direkt im Gebäude des zentral gelegenen Züricher Hauptbahnhofs. Mitten im Gewühl von flanierenden Passanten und Reisenden informiert eine am Gebäude angebrachte Aufschrift: „Permanence – Die Arztstation im Zentrum Zürichs für dringende Konsultationen.“ Der leitende Mediziner James Koch: „Wir haben nach einer praktikablen, patientengerechten und auch kostengünstigen Lösung gesucht. 24 selbstständige Ärzte bieten täglich von 7–22 Uhr medizinische Dienste an. Es kommen Menschen, die ihren Hausarzt nicht erreichen oder wie eine „Laufkundschaft unbürokratisch Hilfe benötigen.“ Im Inneren fällt die einfache, fast spartanische Ausstattung auf. Aber auf engem Raum finden sich wichtige Diagnosegeräte wie EKG, Röntgen etc. Um unnötige Wartezeiten zu vermeiden, erhält der Besucher eine Nummer, kann anschließend Einkäufe tätigen und wird kurz bevor er an die Reihe kommt per App verständigt. Koch nennt die Patientenzahlen für März 2018: „Wir hatten über 5000 Konsultationen, davon ein Drittel außerhalb der Ordinationszeiten.“ Laut Landesrätin Haberlander gibt es auch für Oberösterreich Pläne, ähnliche, den Spitalsambulanzen vorgelagerte Zentren einzurichten. Und was vielen Österreichern dabei nicht bewusst ist: Die Kosten für die medizinische Betreuung übernimmt die öffentliche Hand. In der Schweiz muss jede Person dafür teuer bezahlen.