Chronik | Oberösterreich
12.08.2018

„Nationales Programm für den Sport“

ÖFB-Präsident. „Wir kämpfen mit dem grundsätzlichen Problem des Bewegungsarmut“

KURIER: Wie steht der österreichische Fußball in der Breite da?

Leo Windtner: Fußball ist nach wie vor unangefochten die Nummer 1 und die Lieblingssportart der Österreicher. Woche für Woche sind 2.270 Klubs im Einsatz und tragen insgesamt rund 130.000 Spiele im Jahr aus. Das bedeutet eine Flächendeckung über das gesamte Bundesgebiet. Fußball hat ohne Zweifel eine überaus wichtige gesundheits- und sozialpolitische Funktion.

Und wo gibt es Probleme?

Wir kämpfen mit dem grundsätzlichen Defizit der Bewegungsarmut, im Besonderen bei den Kindern. Wir werden hier in den nächsten Jahren – ich rede gar nicht von Jahrzehnten – massive gesundheitliche Schäden feststellen müssen. Das kann der Fußball in all’ seiner Breite nicht wettmachen. Vielmehr ist die Politik aufgerufen, das Thema tägliche Bewegungseinheit in den Schulen zu forcieren: Wie kann ich die Kinder für sportliche Aktivität begeistern? Hier muss man ein nationales Programm starten, das dem Sport im Lehrplan einen höheren Stellenwert einräumt als nur ein Adabei-Dasein.

Im ländlichen Raum kämpfen Vereine mit Personalproblemen. Was kann dagegen getan werden?

Es stimmt, wir haben das Problem, dass im peripheren Bereich eine Bevölkerungsabnahme feststellbar ist. Im Nachwuchsbereich kann der Meisterschaftsbetrieb oft nur über Spielgemeinschaften aufrecht erhalten werden, das funktioniert sehr gut. Man muss die Attraktivität des ländlichen Raums erhalten. Fußball ist ein wesentlicher Motor dafür, dass die Menschen in der Region bleiben.