Chronik | Oberösterreich
16.09.2018

Nach toller Saison: Zoff bei den Leichtathleten

Leichtathletik. Nach dem plötzlichen und für alle überraschenden Rücktritt von Präsident Hubert Lang rumort es im Landesverband.

Oberösterreichs Leichtathleten können auf eine respektable Saison zurückblicken. Vier Beispiele aus einer Vielzahl an Erfolgen: Anna Baumgartner (Sportunion IGLA long life) läuft neuen österreichischen U18-Rekord über 1.000 Meter. Sarah Lagger (TGW Zehnkampf Union) holt bei den U20-Weltmeisterschaften Silber im Siebenkampf. Verena Preiner (Union Ebensee) belegt bei der Europameisterschaft in Berlin im Mehrkampf mit neuer persönlicher Bestleistung Platz 8. Und – quasi zur Krönung – schleudert Lukas Weißhaidinger (ÖTB OÖ LA) in Berlin den Diskus 65,14 Meter weit zu EM-Bronze. Und dann das: Ende August informierte Hubert Lang (64) den Vorstand des OÖ. Leichtathletikverbandes über seinen Rücktritt als Präsident. Das kam ansatzlos und saß.

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Verena Preiner aus Ebensee erzielte bei der Europameisterschaft im Mehrkampf mit persönlicher Bestleistung den achten Platz

European Championships - Leichtathletik

Lukas Weißhaidinger holte bei der Europameisterschaft in Berlin die Bronze-Medaille

Mister Leichtathletik

Schließlich ist der pensionierte Lehrer aus Natternbach im Hausruckviertel der „Mister Leichtathletik“ im Land – und weit darüber hinaus hochgeschätzt. Im Vorjahr erst wurde er von der Bundessportorganisation als „Top Funktionär 2017“ geehrt. Begründung: Er habe sich diese Auszeichnung nach vier Jahrzehnten als Vereinsobmann, Laufveranstalter, Trainer und Organisator längst verdient. „Sein Engagement kennt keine Grenzen und kann nur Vorbild sein für jede und jeden, der ehrenamtlich tätig ist.“

„Kein Streit“

Vorerst einmal übt Stefan Bachl aus St. Georgen an der Gusen das Präsidentenamt interimistisch aus. Lang habe „persönliche Gründe“ für seine Entscheidung angeführt, berichtet er. Es stehe ihm nicht zu, das zu kommentieren. „Es gab keinen Streit“, ist Bachl bemüht, jeden Anschein von Zwist zu zerstreuen: „Lang hat keinen Wirbel hinterlassen.“ So harmonisch ging es offenbar aber nicht zu. Hubert Lang rechnet ebenfalls nicht öffentlich ab, wird dann aber doch konkreter: „Ich habe mich ein bisschen im Stich gelassen gefühlt, gerade von den Linzer Vereinen.“ Dem OÖ. Leichtathletikverband gehören 84 Klubs mit aktuell gut 1.000 gemeldeten Aktiven an. Es müssten alle „an einem Strang ziehen“, warnt Lang vor Missgunst und Eigenbrötelei: „So geht es in der Leichtathletik nicht, dass ein Verein gegen den anderen ist. Das stört mich wahnsinnig, dass man sich nicht gemeinsam über den Erfolg eines Athleten freut, nur weil er einem anderen Verein angehört.“

Spitze und Breite

Eigentlich war vorgesehen, so Lang, dass er beim planmäßigen Verbandstag im kommenden Frühjahr abtritt. Angesichts der jüngsten Entwicklungen habe er allerdings nicht mehr genug Elan verspürt. Und bevor er noch sieben, acht Monate so weitermache, „höre ich lieber gleich auf“. Langs Botschaft: „Vielleicht denken die Vereine darüber nach.“

Einig sind sich Lang und Bachl darin, dass Oberösterreichs Leichtathletik momentan ordentlich durchstartet. „Wir stehen derzeit sehr gut da, besser als in den letzten 20 Jahren“, sagt Lang. Nachdem Theresia Kiesl über 1.500 Meter bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta die Bronzemedaille gewann und zwei Jahre danach in Valencia Hallen-Europameisterin wurde, habe eine anhaltende Flaute ohne Erfolge eingesetzt. Neuerdings habe sich jedoch eine beachtlich starke Spitze entwickelt, sagt Bachl. Neben den eingangs Genannten zähle dazu etwa Susanne Walli (400 Meter). Aber auch in den Nachwuchsklassen tue sich querbeet durch die verschiedenen Disziplinen allerhand. Bachl nennt beispielsweise Johanna Plank (Mehrkampf) oder Anna Baumgartner und Paul Seyringer (Mittel- und Langstrecke). Besonders erfreulich aus Verbandssicht: der wachsende Zulauf von Jugendlichen. Nicht zuletzt machen internationale Erfolge wie jene von Lukas Weißhaidinger Lust auf Leichtathletik. Der 26-Jährige aus Taufkirchen an der Pram gehört in seiner Disziplin zu den Top Ten der Welt. Er sei noch nicht am Zenit angelangt, sind Lang und Bachl unisono überzeugt. Für sie zählt Weißhaidinger bei Olympia 2020 in Tokio jedenfalls zu den Medaillenkandidaten. Wesentlichen Anteil am breiten Aufschwung hat nicht zuletzt das im Vorjahr eröffnete Trainingszentrum in der Linzer Wieningerstraße. 2,6 Millionen € hat die Halle gekostet, zwei Drittel kamen vom Land. Hier finden Oberösterreichs Leichtathleten – unabhängig von Jahreszeit und Wetter – jederzeit optimale Bedingungen vor. Um dem steigenden Interesse an der Leichtathletik gerecht zu werden, braucht es laut Bachl künftig mehr qualifizierte Betreuer. Mit Julia Ecker (29) aus Garsten wurde soeben eine neue Landestrainerin bestellt. Neben ihr soll es aber noch mehr bezahlte Trainer geben.

Wie es verbandsintern weitergehen soll, ist hingegen ungewiss. Jetzt sind einmal die noch anstehenden Veranstaltungen abzuwickeln, sagt Bachl. Bis zur Wahl eines neuen Präsidenten samt neuem Team „wird sich nicht viel ändern“, ist der Interimspräsident überzeugt. Die größeren Vereine hätte ihm Unterstützung zugesagt, „das hat mich sehr gefreut“. Bachl legt sich noch nicht endgültig fest, ob er beim Verbandstag im März 2019 kandidieren wird, „höchstwahrscheinlich aber nicht“. Als selbstständiger Bautechniker mit drei Angestellten sei er beruflich voll ausgelastet. So, wie er sich die Arbeit eines Präsidenten vorstelle, schaffe er diese nicht: „Dazu habe ich einfach nicht genug Zeit.“ Hubert Lang wiederum versichert, dass er der Leichtathletik keinesfalls abhanden komme. Schließlich ist er nach wie vor Vizepräsident des Österreichischen Verbandes, managt als Geschäftsführer die Linzer Trainingshalle und ist Obmann der Sportunion IGLA long life. Nicht zu vergessen: Seit 37 Jahren organisiert Lang mit seinem Verein den Silvesterlauf, in Peuerbach.