Nach den Olympischen Spielen: Nachwuchsarbeit muss neu organisiert werden

Ex-Renndirektor Hans Pum und Verbandspräsident Klaus Kumpfmüller: Die Nachwuchsarbeit im Skisport muss neu organisiert werden. Von Gerhard Marschall.
OLYMPIA 2026: SKI ALPIN/TEAMKOMBINATION-MEDAILLENZEREMONIE MÄNNER: FELLER (AUT)/KRIECHMAYR (AUT)

Zweimal Silber, das war es auch schon. Gold gab es für Österreichs Ski-Männer bei Olympia nicht, das schürften die Schweizer.

Die rot-weiß-roten Racer fahren seit Längerem zumeist hinterher, der letzte Abfahrtssieg im Weltcup liegt nahezu drei Jahre zurück. Es sei leider nicht gelungen, Junge an die Spitze heranzuführen, bemängelt Michael Walchhofer, Abfahrts-Weltmeister 2003 und acht Jahre lang Vizepräsident im Österreichischen Skiverband (ÖSV).

Seine Kritik kommt indirekt: Die aktuelle Schweizer Dominanz basiere auf guter Verbandsarbeit. Die werde es in den nächsten Jahren brauchen, damit die Mannschaft wieder top wird. „Dass ein paar junge Abfahrer dazukommen müssten, ist schon klar“, pflichtet Hans Pum bei.

Nie ganz vorne

Er war vor Ort und sieht die Winterspiele als Bestätigung für die bisherige Saison: „Sie waren immer dabei, aber nie ganz vorne.“ Der 71-jährige Mühlviertler ist freilich ein höflicher Mann und zudem seinem früheren Arbeitgeber gegenüber loyal. 14 Jahre lang war er im ÖSV Alpindirektor, anschließend von 2010 bis 2017 als Sportdirektor für alle Sparten zuständig. „Ich sage nicht, was ich jetzt ändern würde“, verkneift er sich, welche Konsequenzen gezogen werden müssten. „Das wissen die genau.“ Im Übrigen habe er das seinerzeit auch nicht mögen, wenn von außen Ratschläge erteilt wurden.

Hans Pum

Hans Pum

Für Klaus Kumpfmüller, Präsident des Landesskiverbands, ist die Situation durchaus heikel: Österreichs Männer lägen schon seit Längerem mit Abstand hinter den Schweizern und Norwegern. „Es wird wahrscheinlich noch einige Jahre dauern, bis wir wieder dort sind, wo wir uns sehen: ganz oben.“ Faktum ist, dass der Nachwuchsbereich ausdünnt. Gab es früher bei Landescup-Rennen 200 Starter und mehr, sind es aktuell nur halb so viele. Weniger Breite bedeutet zwangsläufig eine schmalere Spitze. Kumpfmüller sieht dahinter eine gesellschaftliche Entwicklung, die nicht nur den Skisport tangiere: „Es gibt von den Eltern weniger Bereitschaft, Kinder zum Leistungssport hinzuführen.“

Klaus Kumpfmüller

Landesskiverbandspräsident Klaus Kumpfmüller

Pum ortet in der Nachwuchsförderung auch ein organisatorisches Problem: „Konkurrenz ist immer motivierend, aber die Landesverbände müssten grundsätzlich mehr zusammenarbeiten.“ Es sollte gemeinsame Trainings geben, zu denen die Besten zusammengefasst werden. „Die Zeichen wurden rechtzeitig erkannt, und es wurde gegengesteuert“, ist Kumpfmüller zuversichtlich. Es sei bereits ein komplett neues Nachwuchskonzept aufgesetzt worden, welches das System durchlässiger machen soll. „Durchwachsen“ fällt für Präsident Kumpfmüller auch die Olympia-Bilanz aus oberösterreichischer Sicht aus.

Überstrahlt werde freilich alles von Silber für Vincent Kriechmayr und Manuell Feller im Team-Bewerb. Es sei das die erste, wenn auch nur halbe Medaille für den Landesverband seit Sotschi 2014. „Also können wir zufrieden sein.“

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