Chronik | Oberösterreich
30.09.2018

Mystische Höhlensysteme, Heil bringende Quellen

Bad Zell. Geheimnisvoller Erdstall im Granit unter dem Wirtshaus weckt den Durst nach heilkräftigem Wasser aus dem „Hedwigsbründl“

Manchmal verbergen sich Kulturgüter gut versteckt unter der Erde. Wenn ein Mühlviertel-Besucher in Bad Zell vor dem Gasthaus „Zum Feuchten Eck“ steht, ahnt er nicht, welche besondere Baulichkeit sich unter den Mauern verbirgt. Helene Populorum, die Seniorchefin des Gasthauses, führt uns Besucher durch das Haus, vorbei an der Kegelbahn und öffnet eine knarrende Tür, die in einen unterirdischen Stollen führt.

Mehrere Lampen geben den Blick frei auf aus dem Granit gehauene Gänge und Höhlen. Der Erdstallforscher Josef Weichenberger schreibt dazu: „Der Erdstall, als künstlich von Menschenhand angelegte unterirdische Anlage, ist ein Phänomen, das im deutschsprachigen Raum vor allem in Bayern, Oberösterreich und Niederösterreich verbreitet ist.“ Die Erdställe sind im Zuge der mittelalterlichen Besiedelung vor gut 1000 Jahren entstanden. Über 360 Höhlen sind in Oberösterreich nachgewiesen, 24 davon sind erhalten. Man fragt sich, was wohl ihre Funktion war.

Die Forscher geben keine eindeutige Antwort darauf. Helene Populorum vermutet, dass sie höchstwahrscheinlich als Zufluchtsorte und Verstecke dienten. Recht gemütlich ist es jedenfalls nicht, eher kalt und gruselig, wenn auch erstaunlich trocken.

Jungbrunnen

Wir verlassen das Höhlensystem und begeben uns an einen anderen Ort, der eine bedeutende Rolle für Bad Zell hat, die „Cella“ mit dem Hedwigsbründl. Das kuppelartige Gebäude wurde von mittelalterlichen Mönchen erbaut und war Unterkunft und Kapelle gleichermaßen. Der Legende nach soll die Hl. Hedwig während einer Pilgerfahrt hier Rast gemacht haben. An dieser Stelle entsprang darauf hin die Quelle, die bis heute den Namen der Heiligen trägt.

Beim Betreten des Gewölbes aus Steinpfeilern fühlt man sich an die meditative Atmosphäre einer Krypta erinnert. Wir halten eine Zeit lang inne und gelangen anschließend zur Hedwigskapelle.

Heilwasser

Das radonhaltige Heilwasser sprudelt in einen achteckigen Grander aus der Barockzeit. Mehrere Heilungssuchende füllen gerade ihre Glasflaschen mit dem wertvollen Nass. Dieses war auch die Basis für den erfolgreichen Kurbetrieb der Gegenwart. Auch wir stärken uns mit dem heilkräftigen Wasser und verlassen die Cella, der Bad Zell den Namen verdankt.

Einen Blick werfen wir noch auf das hinter der Cella befindliche vorchristliche Quellheiligtum. Der schlichte Steintrog hat Geschichte. Er erinnert daran, dass an diesem Ort schon vor Jahrtausenden das Heilwasser genutzt worden sein muss. www.badzell.at

Das letzte Hexentribunal - 150 Mitwirkende bei „Prozess“ gegen Bäuerin

Nicht im finsteren Mittelalter, sondern bereits an der Schwelle zur Aufklärung, von 1729 bis 1731, fand das letzte große Hexentribunal Oberösterreichs in den Landgerichten Prandegg-Zellhof, Ruttenstein und Schwertberg statt.

Hans Hinterreiter, der Obmann des Tourismusvereins Bad Zell, ist auch Gesamtleiter des Theaterstücks „Die Hexenmacher. Eine Familienausrottung“, das bis 7. Oktober in der Theaterhalle Zellhof in Bad Zell aufgeführt wird. „Dieser Prozess fand vor unserer Haustür statt. Ihm fiel die unschuldige Magdalena Grillenberger, Bäuerin am Wagenlehnergut und ihre Familie zum Opfer. Sie kannte sich mit Heilkräutern und Hausmitteln aus. Ihre Salben und Tinkturen halfen Mensch und Tier. Durch dieses Wissen machte sie sich verdächtig“, erzählt Hinterreiter.  Sie soll mit dem Teufel im Bund gewesen sein und wurde der Hexerei beschuldigt.

Unter der Regie von Wolfgang Aistleitner, der auch Autor des Stücks ist, gestalten 150 Mitwirkende aus dem Ort dieses ergreifende Schauspiel.

2 slides, created on 27/Sep/2018 - 15:42:49

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Bad Zell

Wagenlehnerin (Elisabeth Neulinger) am Pranger

Bad Zell

Richter verkünden Todesurteil nach Geständnis unter Folter: Stück wird noch bis 6. Oktober gespielt

Teufel muss her

Die unheilvolle Allianz zwischen Fürst und Bischof wird zum Schrecken:  „Das Volk wird schon zu aufmüpfig. Der Teufel muss wieder her und soll die Menschen gefügig machen.“ Obwohl bereits das Zeitalter des Aufklärers Voltaire und des Philosophen Kant angebrochen war, griffen die Mächtigen auf die bewährten Methoden aus der Zeit der letzten Hexenverfolgung zurück. Unter Folter gestanden die beschuldigten „Malefikanten“ alles. Daumenschrauben zeigten immer ihre Wirkung. Die ergreifenden Szenen werden von Chor und Orchester begleitet. Das Theaterstück wühlt auf. Mehrere Hundert Zuschauer verfolgen  betroffen das Geschehen und sind am Schluss begeistert.  Hinterreiter hat recht, wenn er in seinen Einleitungsworten sagt: „Ein Schauspiel, das die Tiefe der Seele der Bad Zeller berührt.“ www.diehexenmacher.at

Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessanten Plätze der Kultur und Natur