Missbrauchsverdacht zwischen Fakt und Fake
Schwester James, Schwester Aloysius und Pater Flynn.
Ein – ob man will oder nicht – leider immer aktuelles Thema greift jetzt der Theaterverein Kultur im Park im Schloss Traun mit dem Stück „Zweifel“ auf: den Verdacht des Kindesmissbrauchs im Umfeld der katholischen Kirche, aber auch die Mechanismen des öffentlichen Disputs, wobei die Frage der Wahrheit zwischen Fakten und Fakes auf der Strecke bleibt.
Das Drama „Zweifel“ – Originaltitel „Doubt: A Parable“ – stammt von dem amerikanischen Autor John Patrick Shanley (Jahrgang 1950) und kam zuerst am Broadway heraus. Neben zahlreichen Aufführungen, später auch im deutschen Sprachraum, wurde das Stück 2008 unter anderem mit Meryl Streep und Philip Seymor Hoffman verfilmt, eine Opernversion mit dem Libretto von Shanley wurde 2013 an der Minnesota Opera uraufgeführt. Zahlreiche renommierte Preise für das Stück waren die logische Folge.
Zwei Welten
„Zweifel“ spielt an einer katholischen Schule in New York, wobei zwei ideologische und pädagogische Welten aufeinandertreffen: die strenge, ja despotisch-autoritäre Richtung, verkörpert von der Schuloberin Schwester Aloysius, und der liberale, weltoffene Zugang zu den Jugendlichen in der Person des charismatischen Paters Flynn. Hinzu kommt die junge, vertrauensselige Schwester James. Angelpunkt des Geschehens ist das Misstrauen, welches die gestrenge Oberin von vornherein gegenüber dem religiös und pädagogisch anders gesinnten Pater Flynn hegt. Aufgrund einer harmlosen Beobachtung durch Schwester James entsteht ein vager Verdacht, dass der Pater einen der Ministranten missbraucht habe. Aus dem Verdacht wird ein Gerücht und eine zunehmende Atmosphäre von Misstrauen, die Frage nach der Wahrheit, nach Fakten und Beweisen geht in der Eigendynamik des Kampfes um Macht und Profilierung unter. Eine Hexenjagd mit umgekehrten Vorzeichen kommt in Gang. Der Zweifel an der Integrität des Paters ist in der Welt und nicht mehr auszuräumen.
Die Mutter des angeblich missbrauchten Buben ist eine weitere Variante des Verhaltens in so einer Situation: Sie will keinen Skandal und nichts davon hören, was ihrem Kind zugestoßen sein soll. Die Inszenierung in Traun lag in den Händen von Jürgen Heib, der dazu sagt: „Das Stück zeigt, wie ein einziger Verdacht Menschen, Beziehungen und ganze Systeme ins Wanken bringen kann, Gerüchte verbreiten sich rasant, Wahrheit und Fake News verschwimmen.“ Das wolle man mit dieser Inszenierung deutlich machen, so Heib: „Am Ende bleibt die entscheidende Frage: Wem glauben wir, und warum?“
Heikles Thema
Die Leiterin des Kulturparks Traun, Brigitte Brunner, im Gespräch mit dem KURIER: „Es ist sicher ein heikles Thema, aber man darf es auch nicht tabuisieren und die Problematik verschweigen, das zeigen immer wieder aktuelle Ereignisse.“ Wobei die Umsetzung nicht plakativ erfolge, sondern dezent. „Es geht auch nicht primär um den Vorfall eines angeblichen Kindesmissbrauchs, sondern vielmehr darum, wie mit so einem Verdacht umgegangen wird“, so Brunner, „hier ist vor allem auch die Figur der Mutter des betroffenen Buben symptomatisch.“ Insofern sei auch das Publikum mit der Frage konfrontiert: „Was würde ich tun, wie würde ich reagieren?“ Es sei, erläutert die Theaterchefin, „ein Stück, das nachhallt und zum Nachdenken einlädt.“
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