Nationalmannschaft 1968: Links  die LASKler Gerhard Sturmberger (Kapitän), Willi Harreither (Tormann) und Helmut Köglberger (Sechster von links)

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Chronik Oberösterreich
05/18/2019

„Mehr Geld für Sportstätten“

Der oberösterreichische Fußballverband hat zum 100-jährigen Jubiläum einen Wunsch an die Politik.

Wir sind ein ganz wichtiger Faktor in der Gesellschaft“, sagt Gerhard Götschhofer aus historischem Anlass. Er ist der elfte Präsident in der exakt 100-jährigen Geschichte des OÖ. Fußballverbandes, seine Bilanz zum Jubiläum fällt positiv aus. Oberösterreichische Vereine hätten immer wieder tolle Erfolge erzielt und viele Nationalspieler hervorgebracht, was von einer starken Breite zeuge.

„Hätte es den Verband nicht gegeben, wäre das nicht möglich gewesen“, ist der Präsident überzeugt. Zugleich habe sich der Fußballverband vom bloßen Abwickler des Spielbetriebs zum multifunktionalen Dienstleister gewandelt. Alles begann am 17. Oktober 1919. Damals – der Erste Weltkrieg war erst seit knapp einem Jahr zu Ende – wurde der Fußballverband für Oberösterreich und Salzburg mit Sitz in Linz gegründet. Bis dahin gehörten die beiden Länder – mit der Steiermark, Kärnten und Tirol – dem „Deutsch-Alpenländischen Fußballverband“ an, der in Graz beheimatet war. Gekickt wurde in Oberösterreich schon vorher. Der Legende nach wurde 1904 in Bad Ischl das erste Match ausgetragen.

„Liedl-Pokal“

Demnach forderten Sommerfrischler aus Wien den soeben gegründeten Linzer SK heraus – und gewannen 11:1. Ab Herbst 1912 wurde die erste Meisterschaft um den „Liedl-Pokal“ ausgetragen.

Zum Jubiläum blickt Götschhofer im KURIER-Gespräch nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorne. Die Auswirkungen des von immer mehr Geld dominierten Spitzenfußballs auf die Breite sieht er ambivalent. Wer mehrmals in der Woche im Fernsehen Top-Spiele sehen könne, lege womöglich an den Amateurbereich allzu kritische Maßstäbe an; andererseits mache auf höchstem Niveau zelebrierte Spielkunst Werbung für die Weltsportart Nummer eins – remis. Der Fußball, Sport generell, stehe heute in Konkurrenz zu vielen anderen Freizeitangeboten, seine Bedeutung für Volksgesundheit und sozialen Zusammenhalt sei jedoch unbestritten, erklärt Götschhofer: „Was wir für die Gesellschaft leisten, darf man nicht unterschätzen. Aber das ist – auch in der Politik – nicht allen bewusst.“

 

Der Geburtstagswunsch des Präsidenten nach breiter Akzeptanz des Fußballs richtet sich an die öffentlichen Hände, Bund, Land wie Gemeinden. Damit die Vereine ihrer wichtigen Funktion gerecht werden können, brauche es eine entsprechende Infrastruktur. Das würde den ehrenamtlich tätigen Funktionären die Arbeit erleichtern. Oberösterreich liege bei der Ausstattung der Sportstätten im bundesweiten Mittelfeld und klarerweise seien die Budgets begrenzt, weiß der Verbandspräsident. Dennoch: „Wenn wir uns ein bisschen an die Kultur annähern, ist das keine unbescheidene Bitte.“

 

Autor: Gerhard Marschall