Fischer-Boss Föttinger: Verhältnis zu Olympia eher zwiespältig

© Fischer Sports

Chronik Oberösterreich
01/12/2022

Medaillenhamster aus dem Innviertel

Fischer Sports: Mit den Skibauern aus Ried steht ein Olympiasieger bereits fest. Von Gerhard Marschall.

Ein oberösterreichischer Name wird bei Olympia mit Sicherheit oft auf den Siegerlisten stehen: Fischer. Die Skibauer aus dem Innviertel mischen bei den Alpinen mit, sind vor allem aber in den nordischen Disziplinen dominant. Hier sacken sie bei Großevents regelmäßig kiloweise Edelmetall ein. Bei der Weltmeisterschaft 2021 in Oberstdorf etwa haben Athletinnen und Athleten aus dem Fischer-Rennstall 13-mal Gold, 13-mal Silber und 10-mal Bronze gewonnen – macht zusammen 36 Stück oder 60 Prozent aller Medaillen. Das bedeutete mit klarem Abstand Platz eins in der Firmenwertung.

Olympia von besonderer Bedeutung

„Natürlich ist für uns ein solches Großereignis von besonderer Bedeutung“, sagt Franz Föttinger, Vorstandsvorsitzender von Fischer Sports. „Wir fühlen uns verpflichtet, unseren Sportlern optimales Material anzubieten.“ Wegen Olympia würden nicht mehr Produkte verkauft, doch das Engagement im Spitzensport sei zur Imagepflege grundsätzlich wichtig. Die Produktpalette von Fischer hat sich nach und nach verbreitert, umfasst mittlerweile Schuhe, Stöcke, neuerdings auch Eishockeyschläger. Hauptumsatzträger sind allerdings nach wie vor Skier. Bei den Alpinen hat Fischer laut Föttinger „nicht das größte Team, aber einige Athleten, die jederzeit für das Podest gut sind“. Er denkt etwa an die Österreicher Daniel Hemetsberger (30), Max Franz (32), Raphael Haaser (24), Ramona Siebenhofer (30) und Katharina Truppe (25), den Schweizer Daniel Yule (28), den Schweden Kristoffer Jacobsen (27) oder den diesjährigen Gröden-Sieger Bryce Bennett (29) aus den USA.

Weltmarktführer

Überaus breit aufgestellt ist Fischer als Weltmarktführer im nordischen Sektor. Die illustre Schar erfolgreicher Athleten wird von der Norweger-Fraktion angeführt. Langläufer Johannes Høsflot Klæbo (25) hat bei Olympia oder WM bereits neun Goldmedaillen eingeheimst, Kollegin Therese Johaug (33) sage und schreibe 15. In der Kombination aus Skispringen und Langlauf hat Jarl Magnus Riiber (24) zuletzt dreimal in Folge die große Kristallkugel errungen, ebenso der Biathlet Johannes Thingnes Bø (28). Hoch im Kurs stehen bei Fischer aber auch die Österreicher Teresa Stadlober (28) und Shootingstar Johannes Lamparter, der mit 19 in Oberstdorf zweimal WM-Gold in der Kombination gewonnen hat.

Und dann sind da noch die Skispringer. Die Österreicher Stefan Kraft (28), Michael Hayböck (30), Daniel Huber (29) und Philipp Aschenwald (26) fliegen auf Fischer, ebenso die aktuell Weltbeste Sara Marita Kramer (20), nahezu die komplette deutsche Mannschaft oder der Pole Kamil Stoch (34), um nur einige zu nennen. Sprungskier seien kein kommerzielles Produkt, sagt Föttinger, sie gehörten halt zum nordischen Gesamtauftritt. In skandinavischen Ländern, wo Skispringen Volkssport ist, würden sie aber in Sportgeschäften angeboten.

Olympia als Werbewert

Keinesfalls zu unterschätzen ist jedoch der Werbewert. Die breiten Latten bieten viel Platz für den Firmennamen, auf der Ober- wie auf der Unterseite. Olympia sei immer speziell und China noch spezieller, erklärt Föttinger. Wegen der Corona-Situation sei ohnehin in logistischer und organisatorischer Hinsicht alles schwierig. Zudem sei man, anders als bisher, nicht offiziell akkreditiert. Wie die Arbeitsbedingungen für die Firmenbetreuer aussehen werden, sei somit noch völlig unklar. „Man ist dort auf das System angewiesen.“

Dazu kommen als große Unbekannte die Wettkampfstätten, die mangels vorolympischer Spiele allesamt neu sind. Niemand, weder Sportler noch Skifirmen, kennt laut Föttinger Berg, Piste, Loipe, Schnee. „Das ist ein Überraschungspaket. Aber wir sind gut vorbereitet, weil wir im Rennlauf stets für alle Gegebenheiten gerüstet sind.“ Zu allem Überfluss dürfe man innerhalb einer Sperrfrist vor, während und nach den Spielen nicht mit den eigenen Sportlern werben. So schützt das Internationale Olympische Komitee (IOC) seine eigenen Werbepartner. „Das ist aus unserer Sicht weltfremd, denn ohne unseren Support könnten die Sportler gar nicht antreten“, kritisiert Föttinger: „Unser Verhältnis zu Olympia ist zwiespältig.“

China ein riesiger Markt

Auf die politische Debatte über die Vergabe der Spiele an Peking will sich der Fischer-Chef nicht einlassen. Er räumt jedoch ein, dass China ein riesiger potenzieller Markt ist. Die Regierung hat das Volk zum Wintersport aufgerufen. „Wir hoffen natürlich, dass Olympia dazu motiviert.“ Angesichts vieler Unwägbarkeiten und weil Spitzensport nie bis ins Letzte planbar ist, mag Föttinger seine Erwartungen an die Spiele nicht an einer Medaillenzahl festmachen: „Es kommt, wie es kommt.“

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