Chronik | Oberösterreich
31.01.2018

Mann nach Messerattacke auf Ehefrau vor Gericht

Der Afghane bestreitet im Linzer Prozess die Tötungsabsicht. Diskussionen gab es um das Alter des Angeklagten. Ein Urteil wird am Abend erwartet.

Weil er versucht haben soll, seine Frau mit einem Messer zu töten, hat sich am Mittwoch ein afghanischer Asylwerber in Linz vor Gericht verantworten müssen. Er gestand die Tat, bestritt aber jede Tötungsabsicht. Im Prozess entspannten sich längere Diskussionen um das Alter des Angeklagten, der sagte, zum Tatzeitpunkt erst 21 Jahre alt gewesen zu sein. Ein Urteil wurde für den Abend geplant.

Der Angeklagte und seine 17 Jahre ältere Frau flüchteten 2015 aus der Türkei nach Österreich. Wie Staatsanwältin Gudrun Dückelmann schilderte, sei es immer wieder zu Streit gekommen. Der Mann habe der Frau mehrfach gedroht, sie zu töten, sollte sie ihn verlassen. Sie ließ sich immer wieder überreden zu bleiben, nicht zuletzt, weil sie nach ihrer Ankunft in Österreich festgestellt hatte, dass sie schwanger war. Der gemeinsame Sohn ist heute knapp eineinhalb Jahre alt.

Auf Ehefrau eingestochen

Am 13. Mai 2017 kam es in einer Asylunterkunft in Walding (Bezirk Urfahr-Umgebung) zu der Tat, die die Staatsanwaltschaft als Mordversuch wertet: Der Angeklagte hatte mit einem Gast Wodka getrunken - 1,4 Promille ergab ein späterer Test. Nachdem der Saufkumpan gegangen war, kam es zu einem handgreiflichen Streit zwischen den Ehepartnern, im Zuge dessen er die Frau mit einem Messer attackiert habe. Angriffe auf den Hals habe sie abwehren können, daraufhin habe er sie in Bauch und Brust gestochen, schilderte Dückelmann. Als die Frau schrie und andere Hausbewohner munter wurden, flüchtete der Angeklagte über den Balkon. Die Verletzungen des Opfers waren schwer. Laut Medizinern sei es nur dem Zufall zu verdanken, dass keine Organe tödlich verletzt wurden.

Verteidiger Markus Klepp sagte, sein Mandant werde sich nicht schuldig im Sinne der Anklage bekennen. Er gebe zu, seine Frau mit dem Messer verletzt zu haben, habe sie aber nicht töten wollen. Er verwies auf die Lebensgeschichte des Afghanen, der bereits seit dem sechsten Lebensjahr habe arbeiten müssen, keine Schulbildung bekommen habe und mit seiner Frau geflüchtet sei, weil die Familien der beiden gegen die Beziehung waren.

"Bin kein gewalttätiger Mensch"

"Ich bin kein gewalttätiger Mensch", sagte der Angeklagte. Von Richter Walter Eichinger auf einen Raufhandel und diverse andere Vorfälle in der Justizanstalt angesprochen meinte er: "Das war nur eine kleine Streiterei." Ein Mithäftling habe seine Mutter beleidigt. Die Attacke auf seine Frau schiebt er auf den Alkohol. Laut Gutachten der Psychiaterin Adelheid Kastner sei er aber zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig gewesen.

Diskussionen gab es um das Alter des Angeklagten: Er behauptet, er sei im Juni 1996 geboren - damit wäre er zum Tatzeitpunkt im Mai 2017 erst 21 Jahre alt gewesen, was den Strafrahmen auf 15 Jahre senkt. Auf die Frage von Richter Walter Eichinger, ob er sein Geburtsdatum auch in der afghanischen Zeitrechnung angeben konnte, antwortete er aber ausweichend.