Chronik | Oberösterreich
20.05.2018

Lassen Sie sich durch einen Profi beraten!

Nahrungsergänzungsmittel. Um unerwartete Nebenwirkungen zu vermeiden, ist eine die fachliche Beratung wichtig.

In meinen Ernährungsberatungen erlebe ich immer wieder hautnah, was gerade die Trends in der Welt der Nahrungsergänzungsmittel sind. Vor langer Zeit hypte das L-Carnitin für die Fettverbrennung, danach kam das Creatin für den Muskelaufbau. Vitamin C rangiert immer unter den Top Five.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich bin bekennender Fan von Nahrungsergänzungsmitteln. Wenn jemand mit Problemen zu mir kommt, die über gesunde Ernährung in den Griff zu bekommen sind, arbeiten wir zu allererst daran. Der nächste Schritt stellt die Therapie mit pflanzlichen Präparaten und Mikronährstoffen dar, erst danach kommen Medikamente im eigentlichen Sinn zum Tragen.

In meiner Praxis im Mühlviertel lerne ich immer wieder dazu, was Kräutertinkturen und ähnliches betrifft. Topfenwickel, „Zwiebelschmier“ und Co sind weit verbreitet und sorgen hin und wieder auch dafür, dass ich meine Ordinationsräume lüften muss, weil meine Patienten samt therapeutischen Maßnahmen bei mir vorstellig werden. Ich freue mich auch immer wieder, wenn mir eine meiner Lieblingspatientinnen Lavendelöl mitbringt, mit dem ich meinen hin und wieder unruhigen Schlaf behandle. Zurzeit verwende ich täglich Lärchenharzcreme, die eine befreundete Pharmazeutin selbst herstellt, was meinem überlasteten Fuß sehr gut tut. Mit diesen Natur-Therapeutika kann man nicht viel falsch machen, das Schlimmste, was passieren kann, ist wohl eine Hautrötung, wenn man zu viel Zwiebel erwischt hat.

Im Gegensatz dazu können bei der Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln sehr wohl auch unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Ein Beispiel ist der rote Reis, der bei erhöhten Blutfettwerten eingesetzt wird. Viele Menschen lehnen die Therapie mit Cholesterinsenkern, den sogenannten Statinen, ab, weil sie Nebenwirkungen befürchten oder sogar darunter leiden. Die häufigste stellen Muskelschmerzen dar. Da ist es natürlich naheliegend, auf die pflanzliche Alternative umzusteigen. Das unterstütze ich auch, bei vielen Patienten ist die Therapie erfolgreich und alle sind glücklich: Die Betroffenen über die komplikationslose Einnahme und ich über die schönen Blutfettwerte. Bei einigen Personen treten die gefürchteten Muskelschmerzen jedoch auch unter der Therapie mit rotem Reis auf, weil die Sub stanz nun einmal sehr ähnlich dem Medikament ist. Sonst hätte sie auch nicht dieselbe Wirkung. Dieses Beispiel zeigt, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht ohne fachliche Betreuung verwendet werden sollen.

Dr. Silke Kranz ist Sport- und Ernährungsmedizinerin in Bad Zell.

Vitamin K

Aus aktuellem Anlass möchte ich noch einmal auf das Vitamin K zurückkommen. Es stimmt, dass Vitamin K sich ebenso wie Vitamin D positiv auf den Knochenstoffwechsel auswirkt. Vitamin K ist allerdings auch für die Blutgerinnung wichtig. Kennen Sie jemanden, der blutverdünnende Medikamente einnehmen muss? Diese Medikamente sind sogenannte Vitamin K-Antagonisten, also Gegenspieler dieses Vitamins. Ist das Blut unter dieser Therapie zu „dünn“, wird Vitamin K verabreicht. Vielleicht können Sie sich vorstellen, dass unter normalen Bedingungen eine hohe Vitamin K-Zufuhr das Blut zu „dick“ macht, was im schlimmsten Fall zu Thrombosen, also zur Entstehung von Blutgerinnseln, führen kann. Bei normaler Dosierung kann dies nicht passieren, aber es gibt immer wieder Menschen, die es besonders gut meinen, sich im Internet Präparate bestellen und in großen Mengen einnehmen. Ich möchte Sie nicht davon abbringen, Vitamine einzunehmen, wenn Sie diese benötigen. Ich möchte nur, dass Sie dies mit wachsamen Auge tun und sich vom Profi beraten lassen, denn – wie schon Francis Bacon wusste: Wissen ist Macht.

Silke Kranz ist diplomierte Sport- und Ernährungsmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell.