Eine Biermischung von vier Brauereien

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Bier
03/15/2021

Kraft der Einigkeit

Die Mühlviertler Brauereien sind in Corona-Zeiten experimentierfreudig und zuversichtlich. Von Gerhard Marschall.

Man traf sich, mischte und verkostete, wog ab und mischte neu – so lange, bis man mit dem Ergebnis zufrieden war. Es nennt sich Bierviertel Cuvée. Als „ein interessantes Bier, das unbraubar ist“, beschreibt Ewald Pöschko aus Freistadt das Besondere.

2017 hatten sich die Mühlviertler Brauereien zusammengetan, um eine Weltpremiere zu wagen. Sie kombinierten vier fertige Biere. Was beim Wein gang und gäbe ist, war bis dahin nie versucht worden. Das Experiment gelang. Nach einjähriger Pause gibt es jetzt eine Neuauflage. Die Biere wurden von ihren Heimbrauereien nach Freistadt transportiert, dort cuvetiert, gefiltert und abgefüllt. Die Zutaten: Der wuchtige „Imperator“ aus Freistadt steuert Gehalt und Körper bei, das Granitbier aus Hofstetten eine leichte Karamellnote speziell im Antrunk, vom Schiffner Dinkelbier in Aigen-Schlägl kommt das Fruchtig-Würzige, und das Ganze wird vom Kristallbier aus Schlägl zusammengehalten und fein ausbalanciert.

6,1 Prozent Alkohol

Das Mischungsverhältnis ist streng geheim. Und weil es immer variiert, schmeckt jede Cuvée anders. So beschreiben die Brauer Nummer vier: „Helles, leuchtendes Bernstein, vielschichtiges Malzspektrum mit animierender Hopfenbittere.“ Obwohl kein Starkbier im klassischen Sinn, ist die diesjährige Ausgabe mit 6,1 Prozent Alkoholgehalt doch von kräftiger Statur. Die Harmonie im Geschmack soll auch im ökonomischen Sinn verstanden werden.

Obwohl Konkurrenten, sehen die Mühlviertler Brauereien ihre Stärke im Miteinander. Dazu haben sie das „Bierviertel“ gegründet, seit vier Jahren gibt es einen gemeinsamen Vertrieb. So kann den Wirten in der Region ein Sortiment von 35 bis 40 Bieren angeboten werden. Die Philosophie dahinter: Gegen Konzernübermacht können klein- und mittelständische Brauereien nur mithilfe von Kooperationen bestehen. Das gilt erst recht in Corona-Zeiten. „Wir kommen über die Runden“, beschreibt Kämmerer Markus Rubasch von der Stiftsbrauerei Schlägl die Situation: „Natürlich fehlt uns die Gastronomie.“ An die gehe normalerweise rund ein Drittel des Ausstoßes, das könne der Handel nicht völlig wettmachen.

Komplett auf Flaschenabfüllung umzustellen sei herausfordernd gewesen, erklärt Peter Krammer von der Brauerei Hofstetten. Zumal mehr Kisten auf einmal gekauft würden und diese länger in Umlauf seien. „Da mussten wir richtig viel Geld in die Hand nehmen.“ Karl Schiffner hofft, dass sein Biergasthaus zumindest im Mai wieder aufsperren kann. „Derzeit halten wir uns über Wasser, weil unsere Stammkunden im Online-Shop einkaufen.“

Ein Sonderfall ist die Freistädter Brauerei. Derweil der Bierkonsum im Vorjahr österreichweit um rund vier Prozent zurückging, konnte sie sogar zulegen. „Wir fahren im Plus“, berichtet Geschäftsführer Pöschko. Weil in den vergangenen zehn Jahren der Ausstoß auf rund 140.000 Hektoliter verdoppelt worden ist, stößt die Brauereien an räumliche Grenzen. Deshalb ist dieser Tage der Spatenstich zu einer Logistikhalle am Stadtrand erfolgt, Kosten neun Mio. €. „Wir wissen, dass wir Zukunft haben“, sagt Pöschko.

„Summa summarum sind wir im Mühlviertel in einer guten Situation“, zieht Peter Krammer aus Hofstetten eine positive Corona-Zwischenbilanz: „Die Konsumenten halten zu ihrem lokalen Bier.“ Insofern soll die Neuauflage der Cuvée auch als Dankeschön verstanden werden, das von den Kunden offenbar angenommen wird. 100.000 Flaschen sind abgefüllt worden und zur Gänze geordert.

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