Chronik | Oberösterreich
03.12.2017

Kohl ist ein hervorragendes Wintergemüse

Gestern hat mir ein Freund ein Video geschickt, in dem ein weihnachtliches Häschen um Verständnis bittet, dass Salat, Gemüse sowie Obst ab sofort auf Urlaub und erst ab siebten Jänner wieder erreichbar seien. Die Vertretung würden Gans, Schweinebraten, Kekse und Glühwein übernehmen.

Natürlich musste ich herzlich darüber lachen und beinahe zeitgleich war mir klar, dass ich heute darüber schreiben werde. Sie müssen die Zeitung jetzt nicht weglegen, ich habe nicht vor, Ihnen Ihr hoffentlich friedliches und bestimmt wohlverdientes Adventfrühstück zu verderben. Der erste Adventsonntag war für mich schon seit Kindertagen etwas Besonderes. Meine Mutter hat immer einen süßen Adventkranz gebacken, auf dem vier Kerzen aus Marzipan standen. Die Kämpfe zwischen meinem Bruder und mir darum waren übrigens nicht gerade besinnlich. Ich habe also vollstes Verständnis dafür, dass man nicht immer Müsli mit Magerjoghurt frühstücken möchte. Aber gute fünf Wochen komplett auf Vitamine zu verzichten entspricht auch nicht dem tieferen Sinn von Weihnachten. Deshalb habe ich beschlossen, heute einmal Werbung zu machen für ein typisches Wintergemüse: den Kohl.

Kohl enthält wenig Kalorien, aber viele Extras. Die beiden größten Vorteile für mich: Erstens ist er eine der wenigen Gemüsesorten, die es im Winter tatsächlich aus der Region gibt. Zweitens existieren viele verschiedene Sorten mit diversen Geschmacksnuancen.

Die erwähnten Extras sind zum Beispiel beim Rotkraut sekundäre Pflanzenstoffe, die als Radikalfänger wirken. Die sogenannten OPCs sind typischerweise in dunkelrotem bis lilafarbenem Obst und Gemüse enthalten und werden in verschiedenen Anti-Aging-Produkten teuer verkauft.

Ganz speziell finde ich ja den Romanesco aufgrund seines Aussehens. Aber auch der Inhalt gibt etwas her. Eigentlich ein Verwandter des Karfiols, schmeckt er aromatischer und liefert weit mehr Vitamin A und C.

Der Pak Choi, der immer häufiger auch bei uns verwendet wird, sieht eigentlich eher aus wie Mangold, gehört aber ebenfalls zu den Kohlgewächsen. Und als er mit Steckrüben gekreuzt wurde, entstand daraus der Chinakohl.

Jedes Jahr im Winter freue ich mich auf Kohlsprossen. Sie enthalten einerseits besonders viel Vitamin C und Folsäure, andererseits enthalten sie wie ihre Verwandten auch Senföle, die darmreinigend und keimtötend wirken.

Und dann gibt es natürlich noch das klassische Kraut, welches roh, gedünstet oder als Sauerkraut verspeist werden kann. Nicht umsonst hatten die Seefahrer Sauerkraut dabei. Sie wollten damit Skorbut verhindern, der ja durch Vitamin-C-Mangel entsteht.

Sie sehen, es gibt auch in der kalten Jahreszeit genug Frisches, mit dem man sein Immunsystem auf natürliche Weise stärken kann. Und durch kalorienarmes Kohlgemüse dürfen wir uns bestimmt ein bis zwei Extrakekse erlauben!

Autorin Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell